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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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auf die Herannahenden loszugehen bereit waren. Als aber die Frau Herzogin die Zeit vorübergehen fah, befahl sie ihren Kriegsleuten und Hörigen, das Haus zu nehmen. Aber ihrem Befehl gehorchte niemand: sie sagten, es wäre für einen Kriegsmann und Bewaffneten eine ewige Schande, wenn er gegen eine Frau mit bewaffneter Hand vorginge. Und überdies da es adelige und mit dem Schleier der heiligen Religion verhüllte Frauen seien, so sei es nicht sicher, gewaltsam mit ihnen zu verfahren, damit man nicht in Bußen der Kirche und Feindschaft mit ihren Freunden gerate. Daher befahl die Frau, in der Stadt Schelklingen Sturm zu läuten. Als dies das Volk der Bauern hörte, lief es zu den Waffen und zog in geordnetem Zuge gegen das Kloster heraus, um gegen die Nachahmerinnen der Amazonen zu kämpfen. Daher wurde das Haus umzingelt und den Kampfbereiten anbefohlen, den Aufrührerinnen kein Leid zu tun; dann wurde durch den Eifer der Männer das Haus erstürmt, die Nonnen, die hartnäckig blieben, gebunden und in Fesseln geworfen, die übrigen, die sich unterwarfen, zu Gnaden angenommen. Als aber das Kloster in die Hände der Frau Meisterin übergeben war, setzte sie eine von den Reformatorinnen als Priorin ein und übertrug den übrigen andere Ämter. Einige aber von den widerspenstigen Nonnen wurden in andere Klöster. versetzt, einige aber wollten weder in diesem, noch in irgend einem andern sein, sondern streiften da und dort herum, einige blieben auf den Burgen bei ihren Freunden und kehrten, nachdem sie manches Elend erfahren, zurück und fanden Verzeihung und Wiederaufnahme. Es begann aber die Frau Meisterin Gredanna nicht lässig zu handeln, sondern lernte mit eifriger Sorge die Ordensregeln und machte mit ihrem Anhang solche Fortschritte, daß sie an Eifer, Frömmigkeit und jeglicher Zucht die Reformatorinnen übertrafen. die sie nach Ablauf von drei Jahren in ihre eigenen Klöster mit großer Danksagung entließen, und Frau Helene von Hürnheim (pag. 186) wurde wieder als Priorin angenommen. Endlich aber als die Meisterin Frau Gredanna von Friberg von dieser Welt abgeschieden war, wurde die ehrwürdige und fromme Frau Helene von Hürnheim, die Priorin gewesen war, als Meisterin gewählt und als Priorin die edle Frau Kunigunde von Friberg, eine zwar junge, aber eifrige und gelehrte Frau, eingesetzt. Sogleich aber ließ die Frau Meisterin Helene die alten Gebäude des Klosters von Grund aus niederreißen und baute das neue Kloster so schön, hell, prächtig und regelmäßig wieder auf, daß jedermann, der es fah, erstaunte sowohl über die Ordnung der Gebäude, als über die Tatkraft der Frau, nach deren Gedanken dies ausgeführt wurde. Um diesen Klosterbau bemühten sich alle Schwestern und reichten den Bauleuten die Materialien in die Hände, wie denn die Frau früh morgens und spät abends und zu jeder Zeit bei den Arbeitenden stand, auf daß das Werk schneller vollendet und die Schwestern in der Zucht bewahrt würden. Und so steht dieses Kloster bis heute, Gott sei Dank, in geistlichem und zeitlichem Fortschritt unter der genannten Frau Meisterin Helene, die vermöge ihrer besonderen Neigung zur Frömmigkeit sowohl in dem alten Leben vor der Reformation, als im jetzigen, mir in Freundschaft verbunden war.

Aus allem diesem schließe ich, daß an diesem Ort nach einander fünf Wohnungen gewesen seien. Zuerst war daselbst das Heiligtum der Hamadryaden-Nymphen, der Göttinnen der Quellen, da dort eine große Wasserquelle ist, aus der aufs reichlichste Wasser hervorbricht und herausfließt, und davon hat der Ort, der Urspringen heißt, auch seinen Namen. Denn es sprudelt hier Wasser aus der Tiefe und bildet zuerst einen breiten und tiefen See, aus dem ein