Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

127

her aber dieser Ort und die Burg diesen Namen erhalten haben, kann nur aus dem Klang des Namens entnommen werden. Es ist nämlich dieser Name Schelklingen aus zwei deutschen Worten zusammengesetzt, nämlich aus Schalk und Klingen; hievon bedeutet das erste einen Nichtsnutz, das zweite einen Hain: hieraus kann man vermuten, daß hier ehemals ein Hain gewesen ist, der wegen der darin versteckten Nichtsnutzigen unsicher war, und gegen diese wurde, wie wir glauben, hier auf dem Berg eine Burg errichtet und nachher, als die Baume gefällt waren, an der Stelle des Hains ein Dorf gebaut und Felder angepflanzt, und der schlimme Name blieb sowohl der Burg als dem Ort. Oder ist der Name zusammengesetzt aus Schal und Klingen, weil es ein ergötzlicher Hain war, in dem die Adeligen dem Vergnügen nachgingen. Denn Schal bedeutet Ergötzlichkeit und Klingen Hain, weshalb vielleicht die Adeligen auf dem Felsen diese Burg errichteten, um hier Kurzweil zu genießen. Einige glauben, der Name sei zusammengesetzt aus Schel und Klingen; denn sie versichern, dieser Hain habe einst den Herren von Schellenberg gehört. Andere sagen, er habe den Herren von Klingenberg gehört. Das erste jedoch scheint richtiger zu sein. Auch hießen die ersten Besitzer der Burg Grafen von Schelklingen, und als diese endlich austarben, ging die ganze Herrschaft durch Erbrecht an die Erzherzoge von Österreich über, und jetzt besitzt sie als Pfand der Edle Burkhard von Stadion.

Wenn man von dem Ort weiter durch das Tal des Flusses Ach hinabgeht, kommt man an einen gewaltig hohen Felsen, den seine besondere Erhebung über den Erdboden, seine schreckliche Höhlung und seine Bewohnung durch wilde Räuber ansehnlich und bewundernswert machen (pag. 189). Denn dieser Fels erhebt sich wie eine große runde Säule vom Erdboden, wie wenn er durch menschliche Kunst und Tätigkeit gemacht worden wäre, und es befindet sich auch am Fuß oder an den Wurzeln des Felsen eine offene Mündung, durch die der Zutritt zu der schrecklichen Höhle in den Bauch des Berges möglich ist, und es ist eine große natürliche Aushöhlung in die Breite, Höhe und Länge. Und beim Eintritt kann man nichts anderes vermuten, als daß diese Höhle vom Schöpfer der Welt als Wohnstätte irgend eines gewaltigen Ungeheuers geschaffen worden sei. Diese Höhle hat ein Licht an ihrem Ende tief hinten, weil eine Art natürliche Spaltung des Berges und des Felsen in der Höhe ein rundes Loch hervorgerufen hat, durch welches das Himmelslicht hereinfällt und die schreckliche Höhle menschlicher und bewunderungswerter wird. An ihrem Anfang aber fällt Licht durch ihre Mündung herein. Zur Seite der Mündung der Höhle liegt außen ein großer runder Stein in der Größe der Mündung, mit dem die ungeheuren Bewohner der Höhle ihre Mündung schlossen. Diesen Stein könnten viele Männer nicht von der Stelle rücken. Durch diesen Steht habe ich den unzweifelhaften Beweis bekommen, daß diese Höhle die Wohnung irgend eines ungeheuren Cyklopen der gewaltigen Riesen, oder daß dort der Versammlungsort von Nymphen oder Musen gewesen sei, an dem sie mit nächtlichen Liedern ihre Freudenfeste feierten. Denn dieser Fels samt der Höhle wird Singrensstein 1) genannt, vielleicht daher, daß ein Cyklop oder Gigant den Namen Singrenus hatte, also Stein des Singrenus, oder wurde er nach der Pflanze Ingrien 2)

1) Jetzt Syrgenstein auf dem linken Ufer der Ach mit einer Höhle gegenüber dem Hohlenfelsen; letzterer befindet sich auf dem rechten Ufer.

2) Veesenm.: Immergrün oder Sinngrün?