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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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genannt, die ebendaselbst neben dem Felsen wächst. Eine ähnliche Höhle hatte, wie man liest, der Cyklop, den Ulysses blendete, und der Gigant Eryx oder Erichellus. Man hat in den letzten Jahren vermutet, daß im Grund des Felsen eine Erzader sei; daher stellte ein Bergmann im vorigen Jahr einen Schmelztiegel an der Mündung der Höhle bereit, und in die Tiefe grabend hoffte er, eine gold- oder silberhaltige Erde zu finden, und er hätte noch tiefer gegraben, wenn ihm nicht der Erzherzog von Österreich die Arbeit untersagt hätte. In der Höhle selbst aber ist der beste Wiederhall zum Singen, und solche hallende Höhlen suchten die Musen auf, von denen die Dichter sagen, sie seien Töchter des Jupiter und der Memoria (Mnemosyne) gewesen und haben mit dem die Leyer schlagenden Apollo zusammen gerufen und gesungen. Als diese in den Höhlen sangen, suchte sie ihr Gegner Pyrtheneus 1) auf und schloß sie ein (pag. 190) und sie wurden in Elstern verwandelt und flogen zum Verderben ihres Kerkermeisters davon, wie Ovid berichtet und Isidorus Etymolog. erwähnt. Die Erdichtung dieser Fabel paßt ganz zu unserer Höhle; denn der Chor der in ihr singenden Musen konnte ganz gut zu der Art des sanften Widerhalls passen. Denn sie suchten nicht Stätten auf, die von Menschen zum Singen hergerichtet waren, sondern die die Natur in Bergen, Wäldern und Einöden dazu geschaffen hatte; denn da sie Göttinnen oder Gottheiten waren, so hatten sie keinen Verkehr mit Menschen, wenn man auch von manchen Musen oder Nymphen liest, daß sie menschliche Häuser bewohnt haben, aber nur nachdem die Menschen vertrieben waren. Als aber die Musen von dem Riesen Pyrtheneus aufgefunden worden waren, wälzte er einen Steinblock herbei und schloß damit die Mündung der Höhle; und dieser Steinblock ist heute noch da. Aber als sie die Hilfe ihres Vaters Jupiter angerufen hatten, wurden sie alsbald in Elstern verwandelt und flogen durch die Öffnung, die das Fenster der Höhle ist, davon. Daher ist auch diese Art Vögel, die sich für die Vogelschau eignen, in Schwaben und Alemanien verbreitet. Als aber der Dienst der Musen aufhörte, begannen Mörder und Räuber die Höhle zu bewohnen. Zu deren Unterdrückung errichtete ein sehr mächtiger Schwabe oben auf dem Felsen eine Burg, die nachher auch Räuber bewohnten. Da dies die Bewohner der Gegend nicht ertragen konnten, zerstörten sie die Burg selbst. Von dieser werden jedoch bis heute noch die Ruinen gesehen.

Wenn man von da aus etwas weiter hinabgeht, so durchbricht ein tiefes und langes Tal die Schwäbische Alb selbst. Daher hat es auch von seiner Tiefe für gewöhnlich den Namen das Tiefental. In diesem Tale stößt man am Abhang des Berges zwischen Felsen auf die große und weit offenstehende Mündung einer Grotte, 1) durch die der Eingang in eine schreckliche, finstere und sehr tiefe Höhle im Innern der Felsen ist, die wir oben erwähnt haben, und es wäre die Höhle ganz geschickt gewesen zur Übung von abergläubischen Handlungen, mit denen die Alten sich abzugeben pflegten.

Wenn man durch das Tal des Flüßchens Ach weiter hinabgeht, so ist da das Dorf Weiler (Wilerium), in dem die Erde auch reichlich gesundes und gutes Wasser hervorsprudelt; und ich glaube, daß dieser Sprudel, wenn die Alten ihn gesehen haben, nicht ohne einen Tempel von Nymphen gewesen ist, an dessen Stelle über dem Sprudel jetzt ein frommes Kloster und

1) Veesenm.: Soll wohl heißen Pyreneus, Ovid. Met. 5, 274.

2) Vielleicht das Sontheimer Erdloch, das aber nicht im Tiefental liegt.