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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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eine Klause verschleierter Jungfrauen ist, (pag. 191) die folgenden Anfang gehabt haben soll. Vor langen Zeiten lebten einige Adelige, die über dem Wassersprudel an der Stelle eine Burg hatten, wo jetzt der Garten oder Kirchhof der Schwestern hinter der Kirche gegen den Sprudel sich befindet, wo nun ein Weg ist. Diese Edlen bauten, nachdem sie die Erlaubnis des Bischofs von Konstanz erhalten, eine Kapelle in der Nähe ihrer Burg, zwischen der und der Kapelle ein mit Bäumen bepflanztes Gärtlein in der Mitte lag. Im Jahr des Herrn 1155 aber war eben diese Kapelle zu Ehren der hl. Jungfrau Maria und des hl. Bekenners Ägidius eingeweiht worden. Als nun in ebendemselben Jahre bei Beginn eines Festes die Tochter dieses Edlen, unter dessen Befehl die Burg stand, sich weltlich geschmückt hatte und zur Kirche gehen wollte, siehe da erschien die Hand des Herrn. Denn sobald die Jungfrau mitten in den Garten gekommen war und eilends weitergehen wollte, stieß sie mit dem Fuß so heftig an eine Wurzel eines Baumes, daß sie zu Boden stürzte. Als sie nun von den ihr auf dem Fuß folgenden Mägden wieder aufgehoben worden war, sagte sie für sich betend und Gott bittend: Möchte doch, o Herr, dieser Anstoß und Fall meines Körpers eine Erweckung und Heil meiner Seele sein! Und sogleich kehrte sie nach Hause zurück, legte alsbald ihren weltlichen Schmuck ab und änderte ihr Gewand und ihre Sitten. An der Wand der Kirche aber ließ sie sich eine Blockhütte machen, in der sie von langem Alter geschwächt in strengster Enthaltsamkeit ein einsames Leben führte. Sie wurde aber Frau Schwester Adelhaid genannt und endigte ihr Leben in der besten Weife. Als nach ihr die Regel des heiligen Franziskus eingeführt worden war, war in dem Dorf Weiler eine Tertiarier-Schwester desselben Ordens, die auch Adelhaid hieß. Diese ahmte das Beispiel der früheren nach und ließ sich in die genannte Hütte einschließen. Aber weil sie von dem Hirten der Pfarrkirche in Blaubeuren Schwierigkeiten erlitt und weil die Hütte so eng war, so verließ sie, nicht aus Unbeständigkeit, sondern aus Not, die Klause, ging nach Rom und kam bis vor die Füße des allerheiligsten Papstes. Als dieser ihre Sachen gehört hatte, gab er ihr weder Bullen noch andere gesiegelte Urkunden oder Breven, sondern durch einen Machtspruch seines lebendigen Wortes übertrug er der Schwester alles, um was sie gebeten hatte, und gab ihr zum Zeichen seiner Bewilligung ein hölzernes Täfelchen, auf dem sich das Bild der hl. Jungfrau Maria mit dem Jesuskind befand, indem er hinzufügte, sie folle jedem, der ihren Worten nicht glauben wolle, die Tafel zeigen, und er werde aufhören, sich zu widersetzen; und so geschah es auch und sie verteidigte sich alle Tage mit dieser Tafel (pag. 192). Und weil der ersten Klause der Einsturz drohte, bat die genannte Adelhaid ihren Bruder, der ein Zimmermann war, er möchte ihr eine andere Hütte anfertigen. Er machte ihr ein geringes Häuslein neben der Kirche, in dem ein Mensch wie ein Kreuz dastehend mit den Händen nach allen vier Seiten die Wände berühren konnte. In dieser Klause nun brachte sie viele Jahre zu, eifrig dem Herrn dienend und ein staunenswertes Beispiel des Lebens für alle hinterlassend. Nach dieser ging eine andere Gott geweihte Jungfrau, namens Jüta, in diese Klause und brachte viele Jahre im Dienste des Herrn darin zu, und desgleichen besetzte nach ihr eine andere den Ort, und dieser war mehrere Jahre die Wohnung von Einsiedlerinnen. Unter ihnen waren viele heilige Frauen, die durch merkwürdige Wunder berühmt waren und die Versuchungen des grimmigsten Feindes aushielten. So wurden einer Heiligen zur Zeit einer Hungersnot vom Himmel durch einen Raben Lebensmittel übersandt. Einer zweiten kam es