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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

Schlagworte auf dieser Seite: Von dem Fluß Blau und seinem Ursprung, von dem Ort Blaubeuren und der Einrichtung des Klosters

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sind es 10, und so im Ganzen 22. Aber im Jahr des Herrn 1476 wurden sie in die Bruderschaft des Ordens der Prediger-Brüder durch den höchst ehrwürdigen Ordensmeister Pater Leonhard 1) de Mansuetis de Perusio aufgenommen, der ihnen (pag. 194) eine Urkunde der Bruderschaft mit angehängtem Ordenssiegel übergab. Darum sind sie mit besonderer Zuneigung den Brüdern unseres Ordens gewogen und bitten Gott um guten Stand unseres Ordens. Deshalb habe ich auch ausführlicher von ihnen schreiben wollen.

Kap. 10.

Von dem Fluß Blau und seinem Ursprung, von dem Ort Blaubeuren und der Einrichtung des Klosters und anderem, was damit zusammenhängt.

Wenn man unterhalb Weiler nicht lang in einem Bogen herumgeht, kommt man an einen Berg in einem engen Winkel von Bergen, wo die Berge zusammentreten und einen runden Kessel bilden, aus dem man nicht heraus kann, außer wenn man die hohen Abhänge der Berge ersteigen oder durch das Tal, durch das man hereingekommen ist, wieder zurückgehen wollte. In diesen Winkel rinnt der Fluß Ach gleichsam bis an den Ursprung der Blau hinab, die an dessen äußersten Ende am Fuß der Rundung der Berge und im Grund des Kessels aus der Erde in so wunderbarem und plötzlichem Ausfluß hervorbricht, daß jeder, der es sieht, erstaunen muß. Denn aus der verborgensten Tiefe eines steinernen Topfes, eines grundlosen Felsbeckens bricht eine solche Menge Wasser hervor, daß man meinen könnte, es öffnen sich die Quellen der Hölle. Denn es strömt über den Rand des Topfes heraus und fließt in stürmischem Ausguß plötzlich hinab. Und da das Becken sehr tief und das Wasser sehr klar ist, nimmt es die Farbe des darüber leuchtenden Himmels an und erhält von dieser Farbe seinen in der Volkssprache üblichen Namen und wird Blau genannt. Denn zuerst stößt die Erde aus ihrem höllischen Herzen durch ihren unerforschbaren Mund Gewässer aus, die da wo sie hervorbrechen gesammelt einen runden und sehr tiefen Gumpen bilden, der lieblich und wunderbar anzusehen ist. Dann speit sie das Wasser durch einen Ablauf, indem sie es aus dem Becken drängt, so daß es über den Rand des Topfes steigend mit Macht in eine seeartige Vertiefung sich ergießt und in ein Bett aufgenommen ein Fluß zu sein anfängt, der wie ein Wildbach rauschend bald die Räder von Mühlen treibt, aber nachher zahmer geworden ruhig und schweigend durch freundliche Gefilde sich schlängelt und reich an vortrefflichen Fischen, Forellen, Grundeln und anderen Fischen ist, während er zugleich auf seinem Grund eine Pflanze hervorbringt, die dem Vieh so gut schmeckt, daß es bis zum Hals ins Wasser hineingeht und den Kopf (pag. 195) unter das Wasser tauchend, um sie abzureißen, beständig fressend fast bis zum Ertrinken und Ersticken aushält. Wenn aber der Fluß die Gefilde verlassen hat, nimmt er alsbald seinen raschen Lauf wieder auf und kommt gleichsam fröhlich durch die ihm allein und immer offenen Tore nach Ulm hinein, indem er dieser Stadt viel Angenehmes bringt. Rüstig aber und ohne Verzug bricht er in Ulm durch die Öffnungen der Mauern wieder hinaus und springt dann froh in die heilige Donau, von der er ohne Widerspruch aufgenommen und dem

1) Siehe Evagator. F. F. F. ed. Haßler, pag. 27.