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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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samt dem Abhang und dem Wasser des Flusses bis nach Nydegg. 1) So übergaben auch andere Grafen, Barone und Edle durch die Frömmigkeit der Herren angetrieben das Ihrige zu ihrer Unterstützung dem hl. Johannes, und damit die Nachkommen dieser Edlen und die Erben der Stifter nicht meinen, sie haben irgend ein Recht an den Ort und an die Güter des Ortes, wurde unter allgemeiner Zustimmung aller diese Gemeinschaft, Kirche und Kloster mit allem, was dazu gehört, dem Papst Urban II dieses Namens und dem apostolischen Stuhl angeboten, und dieser nahm das Angebotene demütig an, nahm das Kloster selbst von jeder Gerichtsbarkeit der Weltlichen aus und brachte es in den Schutz und die Gewalt der heiligen Apostel Petrus und Paulus im Jahr des Herrn 1108. Zuerst aber war es, wie man glaubt, eine Propstei, später aber wurde es in eine Abtei verwandelt. Ferner ist nahe bei dem Kloster ein anderer Wassersprudel und eine ganz anmutige Duelle, 2) bei welcher auch ein berühmter Dienst der Nymphen durch die Alten stattfand. Über diese teuflischen Nymphen siehe Augustinus de civitate Dei und Thomas Anglikus darüber lib. 3 cap. 12 und Johannes Boccacio lib. 7 cap. 14 von der Genealogie der heidnischen Götter, und auf der vorangehenden Seite. An dieser Stelle nun errichteten die (pag. 200) Mönche von Blaubeuren eine Wohnung von göttlichen Nymphen, nämlich ein Nonnenkloster und setzten den hl. Nikolaus als Patron der Kirche ein, um diese reinen Nymphen zu schützen, wie er einst die unreinen Nymphen, die Genossinnen der Dyana verfolgte, wie es in seiner Legende steht. Mit diesem heiligen Nikolaus verbanden sie als Patronin dieser Kirche eine heilige Nymphe, die, wie ich glaube, diejenige ist, deren der Apostel Paulus an die Kolosser 3) im letzten gedenkt, und die in der bekannten Stadt Laodicea in der Provinz Phrygien von heidnischen Eltern geboren Nympha genannt worden war, weil in dieser Provinz eine bedeutende Verehrung der Nymphen herrschte, und diese Gegend ist in der Nähe von Lycien, woher der hl. Nikolaus stammte. Als aber Paulus mit Barnabas in Laocidea predigte, wurde Nympha mit ihrem ganzen Hause bekehrt und führte ein so heiliges Leben, daß der heilige Paulus aus dem Gefängnis in Rom in dem an die Kolosser geschickten Brief sie grüßen ließ, und sie war eine Gastfreundin der ersten Prediger und nahm alle Verkündiger des Wortes Gottes auf und trug Sorge für sie, wie man aus einer Anmerkung des Lehrers über den Apostel sieht und aus Petrus von Tharentasia und Nikolaus von Lyra col. 4. - An beiden Orten nun wurde der Gottesdienst sowohl der Mönche als der Nonnen viele Jahre mit großer Andacht gefeiert. Im Jahr des Herrn 1348 geschah es, daß fast auf der ganzen Welt eine unmenschliche Pest herrschte, an welcher täglich so viele Menschen starben, daß Städte und Dörfer leer wurden und viele Klöster ohne Mönche waren. Denn diejenigen Mönche, welche mit dem Leben davon kanten, waren nicht in den Klöstern, sondern in den Städten und, gewöhnt an die weltlichen Sitten, sanken sie von einem Übel in ein noch schlimmeres, und es entstand ein schwerer Verfall aller Orden bei dieser Pest, weil die Würdigen starben und die Wenigen, die zurückblieben, bei den Ärzten in den Städten lebten, um am Leben zu bleiben und sich der Genüsse, die sich hier boten, zu erfreuen. Zu dieser Zeit wanderten fast alle Mönche des Klosters von Reichenau aus und weilten in ihrer Stadt Ulm. Und weil sie

1) Siehe Oberamts-Beschreibung von Blaubeuren, S. 176.

2) Veesenm.: Gieselbach, entspringt auf dem l. Ufer der Blau, der Bleiche gegenüber, wo eines der Häuser noch jetzt zu St. Niklaus heißt. Oberamtsbeschreibung von Blaubeuren, S. 33 und 126.

3) Nach Kol. 4, 15 war aber diese heilige Nymphe ein Mann namens Nymphas.