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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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Mauern lange Zeit ohne Beobachtung ihrer heiligen Ordensregel in großer Zuchtlosigkeit, und sehr viel Ärgernis wurde gegeben und die Weltlichen fielen häufig durch ihr Eindringen (pag. 204) bei den Nonnen in die Gefahr der päpstlichen Excommunikation. Als nun aber die Prediger-Brüder in Ulm reformiert worden waren, begannen ihre Prediger gegen die nicht Reformierten ein Geschrei zu erheben, die Gefahren aufzudecken, die Excommunikationen, die gegen die in das Kloster der hl. Clara Eindringenden ausgesprochen waren, zu veröffentlichen und die ihnen Beichtenden an den Papst zu verweisen, und so wurden durch vielerlei dergleichen den Herren vom Rat und vielen Weltlichen in Ulm die Augen geöffnet und sie begannen vor solchen Gefahren zu schaudern und in Angst zu kommen und suchten einen Weg, auf dem mit Frieden und Ruhe solchen Übeln ein Ziel gesetzt werden könnte. Hiebei aber hatten die Herren von Ulm den erfahrenen und ehrwürdigen Pater und Professor der heiligen Theologie, Meister Ludwig Fuchs, damaligen Prior der Prediger in Ulm, befragt, nach dessen Rat und Bemühung sie früher das Kloster der Prediger in großem Frieden reformiert hatten. Als aber die Ulmer Herren den Rat empfangen und vom Papst die Reformations-Bulle für beide Klöster erhalten hatten, griffen sie im Jahr des Herrn 1484 das Werk mit viel Scharfsinn an. Sie suchten nämlich vor dem Beginn des Werkes die ganze Gemeine an sich zu ziehen, so den Herrn Stadtpfarrer und Doktor Meister Heinrich Neithart, die Geistlichen und Mönche, die Zunftmeister und alle Bürger und Zunftgenossen, beriefen hierauf reformierte Franciskaner, übergaben ihnen das Kloster in der Stadt und vertrieben die andern Nichtreformierten ganz aus dem Kloster und der Stadt. Und diese Reformation der Brüder hatte eine Schwierigkeit, aber nur eine kleine; denn fast alle, die zu reformieren gewesen wären, wichen, so daß eine Reformation der Mauern und des Hauses, nicht der Brüder stattfand, weil die Reformatoren selbst nur Besitzer des Ortes waren, nicht Reformatoren der Brüder. Als aber das Kloster der Brüder reformiert war, legten sie sogleich an die. Reformation der Schwestern außerhalb in Seflingen Hand an. Und weil dies schwierig, mühsam und gefährlich war, nahmen sie mit sich mehrere gelehrte und erfahrene Männer, Mönche und Weltliche, auch die Räte des Herrn Eberhard von Wirtenberg und mehrere Wohlgesinnte vom Adel. So also begleitet von Doktoren, Mönchen verschiedener Orden, Adeligen, ihren Mitbürgern und Zunftgenossen, Bewaffneten und gewöhnlich Gekleideten zogen sie mit (pag. 203) einer großen Menge aus der Stadt wie zu einem Kampf zur Ehre Gottes und hatten bei sich auf Wägen die neu einzusetzende Äbtissin mit vielen gehorsamen Nonnen der hl. Clara. Und als sie in das Kloster hineinkamen, setzten sie die alte Äbtissin Frau Christina Strölin von Ulm mit päpstlicher Genehmigung ab, entließen alle, die ein Amt hatten, und wählten an ihre Stelle die Mitgebrachten. Wie groß aber bei dem allem der Nonnen Anmaßung, Geschrei, Heulen, Schluchzen und Weinen, das Schimpfen, Lästern, Verwünschen des Rates, die Vorwürfe gegen die Bürgermeister, die Herabsetzung der Doktoren, die Schmähungen und Drohungen gewesen seien, kann nicht geschildert werden. Welch große Schwierigkeiten aber, welche Störungen folgten, wie viele Gefahren, wie viele Gerichtstage, wie viele Ärgernisse, welche Kosten, welche Spaltungen endlich und Parteiungen in der Stadt selbst, welche Änderungen, Erklärungen, Erneuerungen, Zurücknahmen und Wiederherstellungen der Sprüche des apostolischen Stuhles und des Kaisers, welch spitze Kniffe der nicht gehorchenden und scharfsinnige Entgegnungen der gehorchenden