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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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welchen Heiligen, Kirchen und Patronen sie in der Nähe der Mauer umgeben ist. Das nächste Dorf ist Seflingen, wo die heilige Jungfrau im Garten der Jungfrauen ihren Sitz hat und die Mauern im Westen bewacht (pag. 207). Gegen Süden ist das Dorf Wiblingen, wo der hl. Martinus mit geistlichen und weltlichen Waffen gerüstet Patron der Kirche und Wächter der Ulmer ist. Hier ist auch noch näher Schweikhofen, ehemals ein Dorf, wo jetzt eine Kirche ist, in der der hl. Johannes der Evangelist Ulm behütet. Gegen Osten ist das Dorf Pfuol, in dessen Nahe ein Grabmal der allerheiligsten Jungfrau Maria an der Landstraße ist, welche, seitdem sie mit Augen des Erbarmens auf Ulm sieht und es schützt, durch manche Wundertaten zeigt, daß sie in diesem Grabmal wohne. In diesem Dorf ist der hl. Ulrich Patron der Kirche, der beste Wächter der Bürger, die ihn anrufen. Gegen Norden ist auf dem königlichen Berg Elchingen ein hochragender Thron der allerheiligsten Jungfrau, zum Schrecken aller, die der Stadt Ulm schaden wollen, hingestellt. Und unter ihm in dem Dorfe Talfingen hat in der Kirche der mit Waffen umgürtete hl. Georg, der wackerste Kriegsmann, seinen Wohnsitz, bereit zur Verteidigung der Ulmer. Oben auf dem Berg ist der Ursprung heilsamer Wasser und eine heilkräftige Quelle, neben der ein großes Haus mit vielen Zellen für diejenigen, welche baden wollen, sich befindet. Hier baden zur geeigneten Zeit die Ulmer in großer Menge, Männer und Frauen, aus Gesundheitsrücksichten und zum Vergnügen. In dieser Gegend näher bei Ulm ist eine Kirche, deren Patron der hl. Leonhard ist, der immer bereit ist, die Bande der Gefesselten, die ihn anrufen, zu lösen, und diejenigen, die den Ulmern schaden wollen, zu ergreifen und zu fesseln. Bei diesem hat die allerheiligste Jungfrau Maria ihren Wohnsitz aufgeschlagen und zeigt durch Wunder, daß sie hier den Ulmern gnädig sei. Hier sind auch fast an der Stadtmauer in einer Kirche alle Heiligen zumal Beschirmer der Ulmer. Und in ihrer Mitte stehend auf der Höhe des Kirchhofs über dem Beinhaus und außerhalb des Kirchhofs in der Kapelle des Armenkirchhofs vom Spital zeigt die hl. Jungfrau auch durch Wunder, daß sie hier die Ulmer beschütze. Und oben auf dem Berge gegen Westen hat als Wächter seinen Sitz der hl. Michael, der (pag. 208) von allen Seiten rings über Ulm hereinsieht und in Waffen die Stadt beschützt. Aber auch der heilige Apostel Jacobus, der in einer Kapelle des Dorfes Seflingen verehrt wird, hat von Alters her den westlichen Teil der Stadt Ulm beschützt. Es ist aber diese Kapelle sehr alt, und in Anbetracht der Umstände glaube ich, daß sie von Karl dem Großen erbaut worden ist, der an allen Orten, die ihm besonders gefielen und lieb waren, zur Verehrung des hl. Jacobus, den er hoch in Ehren hielt, Kapellen außerhalb der Mauern bauen ließ, die dem bl. Jacobus geweiht waren, damit, wer seine Wohnung in Compostella nicht besuchen könne, wenigstens eine Kapelle außerhalb hätte, zu der er wie zum hl. Jacobus wallfahren könne. Denn Karl selbst unternahm eine Reise und Wallfahrt zum hl. Jacobus nach Compostella und erlangte es, daß hiefür Ablässe und Freiheiten erteilt werden, weil man vor ihm das Grab des Apostels nicht kannte. Da nun dieser erlauchte Karl von großem Wohlwollen gegen die Stadt Ulm erfüllt war, baute er in Seflingen ein Bethaus (Kapelle) seines Patrons, des hl. Jacobus, wie er früher vor der Stadt Zürich gethan, wie oben erwähnt ist. Es wurde nun von den alten Ulmern diese Kapelle des hl. Jacobus viel besucht; aber nach der Erbauung des Münsters und der Herrichtung und Anpflanzung des Gartens der Jungfrauen strömte die ganze Menge des Volkes zum Garten der