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Biblische Real- und Verbal-Handkonkordanz

M. Gottfried Büchner, E. Ch. Lutz, H. Riehm, Verlag von Ferd. Riehm, Basel, 1890

Exegetisch-homiletisches Lexikon über alle Sprüche der ganzen heiligen Schrift für Geistliche, Lehrer, Sonntagsschullehrer und die Familie.

Schlagworte auf dieser Seite: Abendmahl

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Abendmahl.

Zeichens des Leibes zu verstehen; was man doch so wenig sagen kann, als daß der, der das Kreuzeszeichen einmal gedankenlos macht, den Gekreuzigten selbst entweihe. Der entscheidendste Grund liegt nach Ernesti S. 152 ff. in 1 Cor. 11, 29., wo es heißt, daß der Unwürdige den Leib des HErrn nicht unterscheide. Dies heiße soviel als: den Leib Christi genießen, wie eine unheilige und gemeine Speise: corpus Christi ita edere, ut cibum profanum et vulgarem. Denn der Ausdruck "Nichtunterscheiden" geht nicht auf ein Urtheil des Verstandes, sondern auf die Handlung des Essens, wo man Alles ohne Unterschied ißt: illud non discernere non ferertur at judicium animi sed ad ipsum actum edendi promiscue; er hat seinen Ursprung im Mosaischen Gesetze, wo er von denen gebraucht wurde, die ohne Unterschied reine und unreine Speisen aßen; und so folgt, daß der Leib Christi wirklich müsse genossen werden, weil, wenn er gar nicht empfangen würde, er weder als eine heilige noch als eine gemeine Speise könnte empfangen werden.

Zu diesen exegetischen Gründen kommt der gewichtige historische Grund, daß die alte christliche Kirche von Anfang an in der Feier des h. A. keineswegs ein bloßes nacktes Gedächtnißmahl Christi, sondern cin hochheiliges Geheimniß, ja das höchste Mysterium des ganzen christlichen Cultus erkannt hat, weil in demselben eine geheimnißvolle Verbindung Christi mit uns durch die Gegenwart und Genießung seines Leibes Statt findet, daher auch kein Profaner Zutritt hatte. Dafür sprechen unverwerfliche Zeugen. Inatius, der Johanneischen Schule angehörig, in Kleinasien lebend, das als Schauplatz der Wirksamkeit der Apostel Paulus und Johannes, als Vewahrerin der ältesten reinsten Urform des Christenthums in besonderem Ansehen stand, (Irenaeus adv. Haeres. III. c. 3.) nennt in seinen kürzeren Briefen, die das Gepräge der Aechtheit (Rothe, Anfänge der chr. K. I. 713 ff.) und ihres hohen Alters (f. Münscher, Dogmengesch. II. 411 ed. 2.) an sich tragen, das Abendmahl eine Arznei zur Unsterblichkeit, ein Gegengift gegen den Tod, um immerdar in Christo zu leben. Er warnt ad. Ephes. c. 20. Coteler. II. S. 17. 54. ed. 1.), und (ad. Smyrn. c. 7. S. 37.) vor Doceten, welche sich des Abendmahls enthalten, weil sie nicht bekennen, daß das Abendmahl das Fleisch unseres Erlösers Jesu Christi sei. - Justinus der Märtyrer (Apolog. II. S. 98. Col.) sagt vom Abendmahle: Wir empfangen es nicht als gemeines Brod, oder gemeinen Trank, sondern sowie der durch Gottes Wort menschgewordene Heiland I. C. um unseres Heils willen Fleisch und Blut hatte; so sind wir anch belehrt, [es war also Glaube und Bekenntniß der Kirche, was hier Justinus ausspricht,] daß die durch das Gebet des V. U. geweihete Speise Mod und Wein,) wodurch mittelst der Verdauung unser Fleisch und Blut genährt wird*), das Fleisch und Blut jenes Menschgewordenen Jesus sei. - Irenäus adv. Haer. IV, 34. S. 327. ed. Grab. sagt: Das irdische Brod, wenn es durch die Anrufung Gottes geweiht ist, ist nicht mehr gemeines Brod, sondern die Eucharistie, die aus zwei Bestandtheilen besteht, einem irdischen und einem himmlischen, und er daraus die künftige Auferweckung des Leibes her, weil durch Christi Leib der Keim der Unverweslichkeit in uns gelegt ist. Gerade diese drei Kirchenlehrer sind die wichtigsten Zeugen, theils weil sie die ältesten sind, bei denen wir das Abendmahl erwähnt finden, theils in kirchlich-geographischer Hinsicht. Ignatius war ein Freund des Polycarpus und dieser nach altkirchlicher Tradition ein Schüler des Johannes. Irenäus, auch aus Kleinasien stammend, hatte ebenfalls den Polycarpus gekannt und gehört, und Justinus hatte auf seinen Reisen ebenfalls die berühmten Gemeinen in Kleinasien kennengelernt. Ihre Uebereinstimmung mit einer sonst seltenen Gleichförmigkeit in Wort und Sache, ist wichtig, und muß uns überzeugen, daß wir hier die älteste, von den Aposteln selbst ausgegangene Lehre vom h. A. finden. Unter den späteren Zeugen sind besonders zu beachten: Cyrillus Hierosolymitanus, welcher in der vierten Katechese sagt: Unter dem Zeichen des Brodes wird dir der Leib, und unter dem Zeichen des Weines wird das Blut gegeben, damit du theilhaftig wirst des Leibes und Blutes I. C., mit ihm zu Einem Leibe und Blute vereinigt (ina gene metalabôn somatos kai aimatos Xriston syssomos kai synaimos auton ^[ινα γενη μεταλαβων σωματοσ και αιματοσ Χριστον συσσωμοσ και σναιμοσ αυτον] ). -

Chrysostomus in dem Briefe an den Cäsarius Montf. III. 737 ff.), dessen Echtheit von Neander K. G. II. Abth. 3. S. 1397. bestritten, aber von Cramer (Uebers. des Chryst. X. nach d. Vorr. S. 85-106.) vertheidigt ist, sagt: Wir nennen das Brod, ehe es geheiligt wird, Brod; nachdem es aber durch die Vermitteluug des Priesters die göttliche Gnade geheiligt hat, heißt es nicht mehr Brod, sondern ist würdig geachtet, der Leib des Herrn zu heißen, obgleich die Natur des Brodes in ihm zurückgeblieben ist. (Vgl. Cramer's Uebers. VII. 654. 55., wo er bemerkt, daß diese Stelle ebenso wider die Katholiken, als wider die Reformirten streite.) - Weniger bekannt ist der griechische Hieronymus, wahrscheinlich Presbyter zu Jerusalem im 4ten oder 5ten Jahrh., dessen Duo Dialogi graeci qui supersunt, Joh. Benj. Carpzov Altenb. 1772. herausgegeben; welcher in s. philoponia ^[φιλοπονια], od. Abhandlung über das innere Gefühl des Christenthums, sagt: (bei Fabric. Biblioth. Graec. Vol. 8. S. 381.) Diese Wirkungen des h. Geistes empfinden auch viele gemeine Christen, wenn sie zum Altar treten, um der Mysterien Christi theilhaftig zu werden. Denn sie werden plötzlich mit Thränen, mit Freude und Heiterkeit erfüllt. Ebendaher hat auch der Christ die volle Zuversicht, nicht bloßes Brod und Wein zu empfangen, sondern wahrhaft den durch den h. G. geheiligten Leib und Blut Christi [hoden kai plêrophoreitai o Christianos ou philon arton kai oinon metalambanein, alla soma halethôs kai haima tou uiou tou theon, pneumati agio hegiasmenon] ^[siehe Bild]. Denn wir empfinden nie etwas Aehnliches, eine solche Freude, Anregung, Süßigkeit oder Rührung, wenn wir gemeines Brod und Wein auf unserm Tische genießen; wobei Fabricius 1. e. sagt: Nota Veritatem corporis et sanguis Christi in S. Eucharistia. Was Tertullians streitige Lehre anlangt, so ist mit Neander, welcher im Antignosticus S. 517-525. ihm die reformirte Ansicht zuschreibt, zu vergleichen Nudelbach, welcher m: Refor-^[folgende Seite]

*) Münscher I. o. S. 368. 383. hat dieß auffallend mißverstanden, indem er das auf den Leib und das Blut Christi bezieht, was nur vom Brod und Wein gesagt ist. Ernesti l.c. 66. Christi corpus et sanguinem descendere in ventriculos et concoqui, non erit ita insanus quisquam, ut dicat. Aber gegen die Lehre von der Transsubstantiation ist es ein unbesiegbares Zeugniß.