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Biblische Real- und Verbal-Handkonkordanz

M. Gottfried Büchner, E. Ch. Lutz, H. Riehm, Verlag von Ferd. Riehm, Basel, 1890

Exegetisch-homiletisches Lexikon über alle Sprüche der ganzen heiligen Schrift für Geistliche, Lehrer, Sonntagsschullehrer und die Familie.

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Vollkommen.
z. 2. a) Von GOtt, dieser besitzt 1) schlechter-dings alle Vollkommenheiten im vollkommensten Grade.
Der aber ewig lebet, Alles was er macht, das ist vollkommen (er hnt Älln mit einander geschaffen), Sir. 18, 1.
Davum sollt ihr vollkommen'fein, wie auch euer Vater vollkommen ist, Matth. 5, 48.
Auf daß ihr prüfen möget. welches da fei der gute, der wohlgefällige, und der vollkommene Gotteswille, Röm. 12, 2.
Me gute (leibliche) Gabe und alle vollkommene (geistliche) Gabe kommt von Oben herab, von dem Vater des Lichts, Iac. 1, 17.
z. 3. b) Von Christo. Dieser ist an und für sich vollkommen, und nach vollkommener Genugthuung ist seine menschliche Natur zu göttlicher Vollkommenheit erhoben. Er ist ein vollkommener Priester in Ewigkeit, Ebr. 7, 28. c. 2, 10. (Von c. 9, 11. s. Hütte §. 8.)
8. 4. 2) Von Menschen, vergleichungsweise. Menschen sind vollkommen, wenn sie sind, was sie nach ihrer allgemein vernünftigen und insonderheit nach ihrer christlichen Bestimmung seiu sollen; also dem Willen und Vorbilde GOttes, wie es uns in Christo vorgehalten ist, conform. Dort ist das Vollkommene.* In dieser Schwachheit können wir es zu keiner Vollkommenheit bringen, sondern unser Wissen, Frömmigkeit bleibt ein Lehrwerk; es ist also mehr ein ernstliches Wollen, da man sich das Beispiel GOttes vorstellt, die Vollkommenheit zu erlangen, als ein gänzlich Vollbringen; mehr ein unablässiges Strebeu und Ningen, als ein Besitzen oder Erruugeu habeu.** (Esa. 38, 3. ist vollkom-men -- nngeheuchclt.) Gesetzlich vollkommen sein, ist der Zustand, wo man alle Eigenschaften hat, die das Gesetz erfordert. Nun aber erfordert das Gesetz auch unter andern das Wegsein der Erbsünde: folglich kaun solche in diesem Leben nicht erreicht werden, weil die Wurzel der Erbsünde bis in den Tod übrig bleibt. Evangelisch vollkommen sein, ist, wenn man den Veoinguugen des göttlichen Gnadenbuudes unter der neueu Haushaltuug gleichförmig ist. Die Hauptsache aber, die im göttlicheu Guadeubunde erfordert wird, ist der Glaube, der durch die Liebe thätig ist. Die Wiedergeborueu haben also eine zugerechnete, und eiue eigene Vollkommenheit, jene ist der Grund aller uuserer Vollkommenheit. Aber bei der eigeucn wird von den Gläubigen erfordert a) die Vollkommenheit des Vorsatzes, welche auch Aufrichtigkeit geuannt wird, l,) der Vollbringung, Luc. 1, 6. diese ist nuu eiue Vollkommenheit 1) der Theile, a) daß man sich nicht nur vom Bösen enthalte, sondern auch das Gute ausübe, Ps. 34,15. Röm. 12, 9. /3) daß das Iuner-liche und Aeußerliche in gehöriger Harmonie mit einander stehe, die Gedanken des Verstandes und die Bewegungen des Willens müssen mit unseren Worten und Handlungen übereinstimmen, Röm. 10, 10. 1 Cor. 6, 20. /) daß man alle Tugenden unzertrennt zu überkommen suche, und von allen Lastcru sich euthalte, 2) der Stufen. Da giebt es Kinder, Jünglinge und Männer im Christenthume; aber die höchste Vollkommenheit der Stufeu, wo man alle Pflichten und Tugeuden im höchsten Grad besitzt, die ist der zukünftigen Welt aufbehalten, 1 Cor. 13. Hiebei sind noch zwei Irrthümer zu vermeiden, 1) daß man, so wenig auch die Forderung des Gesetzes nachgelassen oder herabgestimmt werden darf, die vielmehr immer auf das Höchste geht, dennoch nicht sich oder Andern die Meinung beibringe, als habe man wirklich die Vollkommenheit erruu-gen, Phil. 3, 12. denn dieses laust entweder hinaus
auf einen geistlichen Hochmuth oder auf eine knechtische Aengstlichkeit, wenn man sieht, daß man es doch so weit nicht bringen könne, 2) und daß mau die Vollkommenheit nicht in solche Dinge setze, die von GOtt nicht geboten sind, oder die im Papstthum evaugelische Rathschläge geuannt werden. Das Christenthum kennt keine solche Rathschläge, deren Befolgung zur Seligkeit uicht unbedingt nothwendig sei, sondern von dem Belieben eines Jeden abhänge, wodurch man aber eine höhere Vollkommenheit erlange; es fordert vielmehr auch, Matth. 19, 21. ein Herz, das Alles aufznopfern bereit ist, was sich mit der wahren Liebe gegen GOtt nicht verträgt. Im Wollen muß der Christ vollkommen sein, d. h. nie mit Bewußtsein etwas, was GOtt mißfällt, sondern immer nur das erkannte Gute wollen; wenn anch das Thun hinter dem Wollen znrückbleibt. (Die Streitigkeiten über den sogenannten Perfcctismus s. bei Walch Einleit. in die Neligionsstreit. innerhalb der luth. Kirche II. 400?427.) Warum aber GOtt die Wiedergebornen nicht auf Gin Mal vollkommen mache? geschieht darum, a) daß der Unterschied zwischen der Rechtfertigung und Heiliguug, zwischen der streitenden und triumphireuden Kirche, desto deutlicher offenbar werde, b) daß die Heiligen durch die mannigfaltige Erfahrung ihrer Schwachheit und Ohnmacht desto mehr gedemüthigt und erniedrigt werden, c) damit sie eiue geistliche Nebung haben, d) damit sie in Sanftmuth und Gednld Anderer Schwachheit tragen lernen, weil sie selbst noch mit Schwachheit umgeben sind, e) damit sie von der Nothwendigkeit der Gnade desto mehr überzeugt werden, und allen Ruhm ihrer Erhalwug GOtt allein zuschreibcu, und f) damit sie den Tod desto freudiger erwarten, und nach der Vollkommenheit des künftigeu Lebens desto begieriger werden.
* Er ist bald vollkommen geworden, und hat viele Jahre erfüllt
Weish. 4, 13.
Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwert aufhören, 1 Cor. 13, 10. *" Darum sollt ihr vollkommen (so aufrichtig und ohne Cm-
fchrnnkung der Liede) sein, wie euer Vater vollkommen ist,
Matth. 5, 48.
Willst du vollkommen sein ?c., Matth. 19, 21. (S. Jüngling §. 2.) Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei,
Joh. 16, 24. Ich in ihnen, und du in mir, auf daß sie vollkommen seien in
eines (nvlliy vereinigt), Joh. 17, 23.
Da wir aber von reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen (nämlich die GGttes Gehrimnisse tiefer einsehen),
1 Cor. 2, 6. Hiob 37, 16. Werdet nicht Kinder am Verständniß, sondern an der Bosheit
seid Kinder, an dem Verständniß seid vollkommen, i Cor.
14, 20. (S. Hlter §. 3.) Bis daß wir Alle hinan kommen ? und ein vollkommener Mann
werden, Eph. 4, 13. Durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden, Iac.
2, 22. (S. Glaube ß. 15.) Wer aber sein Wort hält, in solchem ist wahrlich die Liebe
GOttes vollkommen, 1 Joh. 2, 5. Der in keinem Worte fehlt, der ist ein vollkommener Mann,
Iac. 3, 2.
z. 5. Esa. 42,19. heiht das Iudenvolk der voll-kommene, weil es GOtt so vieler Gnade gewürdigt. Sonst heißen Vollkommene, in Vergleichung der Anfänger im Christenthum diejenigen, welche es schon weiter gebracht haben im Fleiß der Heiliguug, Phil. 3, 15.
Den Vollkommenen gehöret starke Speise, Ebr. 5, 14. Daß ein Mensch (Diener) GOttes sei vollkommen, zu allen guten Werken geschickt, 2 Tim. 3, 17.
§. 6. Col. 2, 10. Und ihr ftio vollkommen. Die Alten mußten sich mit Bildern und Schatten? werk begnügen, ihr aber seid der Vollkommenheit theilhaftig geworden, wovon v. 9. und Joh. 1,16.