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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

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Aegypten.

welcher - allerdings nicht ganz aus eigener Kraft - auf eine höhere Stufe der Kultur gelangte. Sonst beharrten die Neger auf dem Standpunkte einfacher Naturvölker.

In der Zeit, für welche bereits beglaubigte geschichtliche Nachrichten vorliegen - um 2600 v. Chr. - erscheinen die Aegypter als ein einheitliches Volk, das sich als ureingesessen betrachtete, stolz sich schlechtweg "Menschen" (rômet) nannte und alle Nicht-Aegypter somit als niedere Wesen ansah, von denen es sich abschloß. Es besaß ein festes staatliches und gesellschaftliches Gefüge, und seine Arbeitsfertigkeiten - was man im Deutschen "Technik" nennt - sowie seine sonstigen Kenntnisse waren hochentwickelt. Damit erscheinen auch die Grundlagen für eine Ausbildung der Kunst gegeben.

Eigenart der ägyptischen Kunstwerke. Der Rückschluß aus den auf uns gekommenen Kulturwerten auf die Eigenart des Volkes ergiebt, daß bei diesem die Verstandeskraft weit die Einbildungskraft (Phantasie) überwog. Da nun letztere für die Kunstentfaltung von ganz wesentlichem Einflüsse ist, so prägt sich in der ägyptischen Kunst jenes Verhältnis in der Weise aus, daß in den Werken mehr das Verstandesmäßige, auf Vollendung der Arbeitsfertigkeiten Beruhende zum Ausdruck gelangt, als das freie, aus dem inneren Empfinden heraus erfolgende Schaffen.

Dazu kam noch die starre Festigkeit der gesellschaftlichen Ordnung, welche dem Einzelnen nicht gestattete, völlig frei nach seinem Sinne zu schaffen und zu bilden, ihn vielmehr nötigte, die anerkannten Ueberlieferungen und zu einer Art Gesetz gewordenen Anschauungen stets zu beachten. Dies mußte natürlich zu einer Hemmung des Fortschrittes und zuletzt zum Stillstande führen, zumal die vorerwähnte hochmütige Abschließung von allem Fremden die Befruchtung des ägyptischen Geistes und der Kunstübung durch Aufnahme neuer, jugendfrischer Gedanken und Einflüsse verhinderte.

Einfluß der ägyptischen Kunst. Wenn daher die ägyptische Kultur überhaupt und die Kunst insbesondere sehr lange Zeit und für den größten Teil des Mittelmeergebietes vorbildlich bestimmend und beeinflussend war - wozu am meisten die Phöniker als Vermittler beitrugen - so verlor sie immer mehr an Geltung, je weiter andere Völker fort-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 11. Eingang eines Felsengrabes bei Beni-Hassan. (Nach Perrot und Chipiez.)]