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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Felsengräber; Gräber (Mastaba); Tempel-Bauten

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Aegypten.

Das Sphinx-Steinbild (Fig. 19) wurde aus einer vorhandenen Felsmasse ausgemeißelt, es hat 20 m Höhe und etwa 45 m Länge. Die Pyramiden sind Königsgräber; sie enthalten daher in ihrem Innern Kammern, zu welchen enge geneigte Gänge führen. Die Sicherung dieser Kammern und Gänge gegen den Druck der auflagernden Massen war eine schwierige Aufgabe und ihre sinnreiche Lösung - Verstemmung der riesigen Steinbalken und Anordnung von Hohlräumen, durch Ueberkragung der Schichten gebildet - zeugt von der damals erreichten Fertigkeit.

Gräber (Mastaba). Die Spitz-Pyramide war den Königen vorbehalten, die Gräber der Vornehmen hatten die Form von rechteckigen (nicht quadratischen) Pyramidenstümpfen und wurden rings um die Königsgräber angelegt. Sie hießen Mastaba (= Bank) und waren oft von bedeutender Größe (1000 m²). Die Mastaba enthält drei Räume: den mit Bildern und Inschriften geschmückten Vorraum (Kapelle), in welchem das Totenopfer gebracht wurde; einen schmalen verschlossenen Raum - Serdab (= Keller) - für das Standbild, und eine unterirdische Kammer für den Steinsarg, in welchem der Leichnam (Mumie) lag. Letztere Kammer war durch 20-30 m tiefe Schächte mit der Mastaba verbunden. Bisweilen fehlt der Vorraum, andererseits sind manchmal mehrere Nischen für Standbilder vorhanden. Der Baustoff bei den ältesten Gräbern waren Ziegel, später wurde die Verwendung behauener Steine allgemeiner.

Felsengräber. Neben den Grabbauten finden sich die Felsengräber, die aus den natürlichen Felsen ausgemeißelt wurden. Diese Art kam nach 2500 v. Chr. immer mehr auf, und seit 1800 v. Chr. wurden auch die Könige ausschließlich in Felsgrüften beigesetzt. Das Felsengrab enthielt gleichfalls eine Kapelle als Vorraum und eine Nische für das Standbild. Die Königsgrüfte bestanden aus einer Reihe von Gängen und Sälen, von welchen der letzte den Sarg enthielt.

Daß die Gräber eine solche, bedeutende Rolle in der Bauthätigkeit der Aegypter spielen, hängt mit dem Glauben an das Fortleben auch nach dem Tode zusammen. Die wahrscheinlich älteste Vorstellung war, daß dem Toten durch die Opfergaben ein weiteres Dasein gesichert werde; später dürfte sich dann die Annahme ausgebildet haben, der Mensch bestehe aus Körper, Seele und einem dritten Wesen, Ka genannt, welches nach dem Tode seine Wohnung in dem Standbilde des Verstorbenen nehme, und dessen Erhaltung nicht nur die wirklichen, sondern auch die an den Grabwänden abgebildeten Opfergaben - infolge geheimnisvoller Kräfte - ermöglichen.

Tempel-Bauten. In die Zeit der Pyramiden-Bauten und Felsgräber fällt aber auch schon die Errichtung von Tempeln, welche von etwa 2100 v. Chr. an einen gewaltigen Aufschwung nahm. Die ältesten Tempel bestanden aus einem Vorraum und dem Allerheiligsten, einem viereckigen lichtlosen Raum, in welchem das Heiligtum (aus bemaltem Holze) sowie das Standbild der Gottheit oder ihres heiligen Tieres aufbewahrt wurde. Nur die Priester und Könige hatten hier Zutritt. Schon frühzeitig schlossen sich aber an diesen Hauptteil verschiedene Kammern zur Aufbewahrung von Opfergeräten und sonstigen dem Tempel gewidmeten Gegenständen an. Weiterhin wurde die Tempelanlage immer mehr

^[Abb.: Fig. 13. Chonstempel zu Karnak. (Nach Perrot und Chipiez.)

Längsschnitt (schräg gestrichelt) und Querschnitt (schwarz). Als Beispiel einer kleineren Tempelanlage.]