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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

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Aegypten.

Boden auf (Abbildungen einiger Säulenformen findet man in den Erläuterungen am Schluß des Buches unter "Säule").

In den späteren Gräbern erscheint der Pfeiler achtkantig (s. Fig. 11), dann sechzehnkantig gestaltet und werden die Schmalseiten zwischen den Kanten in Rinnen ausgetieft (Kanellierung); der Schaft steht nicht mehr unmittelbar auf dem Boden, sondern auf einer abgerundeten Scheibe; oben wird dem Auflageträger noch eine viereckige Platte untergeschoben, während über dem Architrav ein Gesims angebracht wird, welches die Form von Querhölzern nachahmt.

Wurde so der Pfeiler - den ich den "natürlichen" nennen will, weil er die bei der Aushöhlung von Felsen stehengebliebene Stützmasse darstellt - zur Säule ausgestaltet, so trat um diese Zeit bereits auch eine "erfundene" Säulen-Art auf, welcher Pflanzenformen zu Grunde liegen.

Vier Rund-Stämme, welche am Fuße zusammengepreßt sind und nach oben sich verjüngen, erscheinen verbunden, u. z. unterhalb des oberen Endes durch eine Reihe von Bändern, die Seilen entsprechen. Der Teil über dieser Seilschlinge erhält nun die Gestalt einer vierteiligen geschlossenen Lotosblume (einer Art Wasserrose, in der Form nicht viel verschieden von der bei uns vorkommenden), und damit war ein weiteres Säulenglied, der Knauf - Kapitäl - eingeführt.

Aus dem sechzehnkantigen, mit Rinnen versehenen Pfeiler und dem vorgenannten Rundstamm-Bündel ergab sich dann die reine Rundsäule, bei welcher nun auch der Knauf eine verschiedenartige Ausgestaltung erhielt. In dieser zeigt sich aber kein besonderer "künstlerischer" Fortschritt. Das Vorbild des Lotoskelches bleibt bevorzugt.

^[Abb.: Fig. 16. Felsentempel von Abu Simbel.]