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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Baukunst; Dichtkunst

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Mittelasien. - Babylonier. Assyrer. Chaldäer.

schaften, die Neigung für das Große und Prunkhafte. Ueberlegen zeigen sie sich an Einbildungskraft und an regsamer Beweglichkeit; sie halten nicht gar so zähe an dem Ueberlieferten fest und gelangen daher rascher zu Fortschritten, auch schließen sie sich nicht gegenüber fremden Einflüssen ab. Das hatte seine Vorteile, aber auch die Folge, daß die semitische Kultur sich nicht so lange in ihrer Eigenart erhielt, wie die ägyptische, sondern von dem indogermanischen Geiste - zuerst durch die Perser - völlig umgestaltet und endlich ganz in den Hintergrund gedrängt wurde. Dies gilt am meisten von der Kunst.

Dichtkunst. Die Dichtkunst wurde weitaus mehr gepflegt, als in Aegypten, wenigstens sind uns viel zahlreichere Schöpfungen erhalten geblieben. Der Sinn für Dichtungen gehört übrigens zu der Eigenart der Semiten. Religiöse Lieder und erzählende Dichtungen sind die Hauptarten, Liebeslieder sind selten. Die Tonkunst wird wohl auch entsprechende Pflege gefunden haben.

Baukunst. Auf dem Gebiete der bildenden Künste bethätigte sich die Begabung selbstverständlich zunächst in den Bauwerken. Während die Aegypter durch wuchtige Massen zu wirken suchten, erzielten die Chaldäer Eindruck durch räumliche Ausdehnung, Weitläufigkeit bei großer Einfachheit der Anlage. Von den ältesten Werken, welche in den Berichten und Sagen bewundernd genannt werden, ist allerdings nichts auf uns gekommen. Es waren dies ungeheure Turmbauten; die Bezeichnung Stufen-Pyramiden erscheint mir weniger zutreffend, weil sie im Hinblick auf die ägyptischen Pyramiden irrige Vorstellungen erwecken könnte. Jene bestanden aus einer Reihe (7-8) von viereckigen Geschossen, deren Umfang nach oben zu immer sich verjüngte, so daß um jedes ein mehr oder minder breiter Absatz herumlief. Die Verbindung zwischen diesen Absätzen wurde entweder durch schiefe Ebenen (Rampen) oder durch Treppen hergestellt. Auf der obersten Plattform befand sich das Heiligtum, Altar und Standbild der Gottheit. Diesen Tempelbauten ähnlich wurden auch die Königspaläste angelegt. Sie standen gleichfalls auf abgestuften Unterbauten von ansehnlicher Höhe und zeichneten sich durch eine ungemeine Weitläufigkeit aus. Die Ausgrabungen zu Khorsabad haben ein bezeichnendes Beispiel dieser Art Paläste zutage gefördert, welches die Grundzüge der üblichen Anlage erkennen läßt. Eine Doppelfreitreppe führt an der Vorderseite, eine schiefe Ebene (Rampe für Wagen und Reiter) an der Längsseite zu der Höhe des Unterbaues empor; hier wie dort gelangt man durch mächtige, mit Riesenstierbildern geschmückte Thorbauten in große Höfe. Der Haupthof ist jener an der Freitreppe; rechts und links sind teils Wohnräume für Weiber und Hofgesinde, teils Wirtschaftsräume, Ställe und Vorratskammern, welche weitere kleinere Höfe einschließen. Der eigentliche Königspalast erhebt sich dem Thorbau gegenüber und hat einen zweiten Haupteingang auch von dem anderen großen Hofe her, in den man über die Rampe gelangt. Der Hauptpalast besteht aus einer Anzahl von Prunkgemächern und langen Wandelgängen - solche umschließen auch an den anderen Seiten den Hof -, zwischen denen kleinere Höfe sich befinden. Alle diese Räume hingen zusammen. Außerdem befanden sich auf dem Unterbau noch eine Stufen-Pyramide

^[Abb.: Fig. 38. Kopf aus Tello.

Wahrscheinlich zu einem der Fig. 39 ähnlichen Standbilde gehörig. Paris, Louvre.]

^[Abb.: Fig. 39. Steinbild des Königs Gudea.

Etwa 3000 v. Chr. (Nach de Satzec und Heuzey.) Gefunden in Tello. Der König sitzt auf einem Sessel; auf seinem Schoße der Plan einer Festung. Paris. Louvre.]