Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Phöniker; Seltenheit phönikischer Kunstdenkmale

62

Die östlichen Mittelmeerländer. Syrien. Kleinasien.

für sich an keine Prachtbauten denken. Der "eine" Gott durfte auch nur "eine" heilige Stätte haben, und mit dem Tempel Salomos war die Sache erledigt. Diesen Tempel und die Burg haben aber nicht Israeliten, sondern Phöniker gebaut, da im Reiche Salomos es keine Bauhandwerker gab. Es giebt daher keine Kunst von israelitischer Eigenart, nicht einmal eine "Kleinkunst" oder "Kunstgewerbe", wie man sie bei anderen einfachen Völkern findet. Auch den Schmuck lieferten hauptsächlich phönikische Händler.

Phöniker. Der schmale Landstrich an der Küste Syriens war die erste Stätte eines Welthandels. Die Phöniker spielten im Altertum dieselbe Rolle, wie Venedig im Mittelalter. Man findet auch viele verwandte Züge bei Beiden. Die Phöniker waren nicht nur Händler mit fremden Erzeugnissen, sondern erzeugten selbst die kostbarsten und gesuchtesten Waren. Alle Arbeitsfertigkeiten waren in erstaunlich hohem Grade entwickelt; im Schiffbau, in Bearbeitung von Metallen, in der Weberei und Färberei waren die Phöniker Meister, das Glas gilt als ihre Erfindung. Daß ein Volk von solchem Gewerbefleiß, solch regsamem Geist, im Besitze von aus der ganzen damals bekannten Welt zusammengeholten Schätzen und Kenntnissen auch auf dem Gebiete der Kunst thätig gewesen sein sollte, erscheint selbstverständlich. Die sichtbaren Beweise hierfür sind freilich ungemein spärlich, auch die Nachrichten nicht sehr reichlich.

Seltenheit phönikischer Kunstdenkmale. Von Werken der Dichtkunst ist gar nichts bekannt, die ganzen Ueberreste des Schrifttums (von griechischen Uebersetzungen abgesehen) bestehen in einigen Schrifttafeln. Auch mit Denkmalen der bildenden Künste ist es schlecht bestellt. Dies erklärt sich daraus, daß nicht nur die Städte der phönikischen Heimatsküste, sondern auch die Pflanzstädte - in Kleinasien, Afrika, Spanien, an der atlantischen Küste - später von Griechen und Römern völlig umgestaltet wurden, so daß die ursprünglich phönikische Kultur von der griechisch-römischen gänzlich überwuchert wurde. Die Erhaltung babylonischer und assyrischer Denkmale ist nur dem Umstande zu danken, daß ihre Stätten verödeten und um die Trümmerreste sich niemand kümmerte. Die Phöniker schufen aber an Orten, wo neue Geschlechter mit den Werken der alten aufräumten, um für ihre eigenen Raum zu gewinnen. Man darf als sicher annehmen, daß die reichen phönikischen Handelsherrn gleichwie die Venezianer sich Paläste erbauten, und daß die öffentlichen Gebäude auch prächtig gestaltet wurden. Leider ist davon nichts erhalten geblieben. Auch von rein phönikischen Werken der Bildhauerei und Malerei ist wenig bekannt.

Zweifellos ist die umfangreiche Thätigkeit im Kunstgewerbe, denn die Phöniker versorgten fast die halbe Welt mit Gold- und Silbersachen, Glaswaren und feinen Geweben, mit Schmuck- und Kleinkunstsachen.

Ich glaube, daß viel mehr noch als man annimmt von derartigen Dingen, die man in den verschiedensten Orten Europas aufgefunden hat, phönikische Erzeugnisse sind. Wäre es möglich, von einer größeren Anzahl solcher Schmuckgegenstände als bisher den phönikischen Ursprung unzweifelhaft nachzuweisen, so ließen sich

^[Abb.: Fig. 67. Grabmal zu Amrit.]

^[Abb.: Fig. 68. Zyprisches Kapitäl.]