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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Eigenart der phönikischen Kunstdenkmale; Fundstätten

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Die östlichen Mittelmeerländer. Syrien. Kleinasien.

vielleicht Anhaltspunkte für Feststellung eines eigentümlichen phönikischen "Stiles" - wenigstens im Kunstgewerbe - gewinnen.

Andererseits kann man freilich auch zweifeln, ob es überhaupt einen solchen von ganz ausgeprägter Art gegeben hat, da die geschäftsklugen Phöniker offenbar zuerst sich nur damit befaßten, fremde Erzeugnisse von Ruf weiter zu verhandeln, andererseits ihre eigene Erzeugung nach dem Geschmacke der Abnehmer einrichteten und das lieferten, was begehrt wurde, wie dies auch heute die Händler üben. Es fehlte ihnen das politische Ansehen und die Macht, um den eigenen Geschmack maßgebend für die Anderen zu machen, wie dies die Griechen seit Alexander d. Gr. und dann die Römer vermochten.

In dem Mangel von ausreichenden Zeugnissen für die phönikische Kunstübung sehe ich eine empfindliche Beeinträchtigung der Kunstgeschichte. Es ist ja immerhin möglich, daß die eigen-phönikische Kunst von geringem Werte war, für wahrscheinlicher halte ich aber, daß sie trotz all der vorhin aufgeführten Umstände einen bedeutenden Einfluß ausgeübt hat, und zwar auch auf die Nebenbuhler im Handel und in der Seeherrschaft, auf die Griechen. Diese Lücke läßt sich aber nicht ausfüllen und so muß man sich mit Vermutungen bescheiden.

Fundstätten. Im phönikischen Heimatlande haben nur zwei Stätten beträchtlichere Ueberreste phönikischer Werke geliefert: Marathus (jetzt Amrith) und Byblos (das biblische Gebal, jetzt Dschebail), aus welchem die Bauleute des Salomonischen Tempels stammten. Die größte und mächtigste Pflanzstadt, welche auch zu politischer Macht und Herrschaft gelangte, Karthago, wurde von den Römern so gründlich zerstört, daß von karthagenisch-phönikischen Bau- oder Kunstwerken wenig auf uns kam. Die meiste Ausbeute lieferte Cypern, auf dessen Boden die Phöniker mit den Griechen den schärfsten Wettbewerb zu bestehen hatten. Vielleicht trug gerade der Kampf dazu bei, daß hier die Phöniker ihre Eigenart zäher behaupteten. Ein Hauptort war hier Amathus, berühmt durch das Heiligtum seiner Ortsgöttin, eine der semitischen Astarten, die von den Griechen als Aphrodite übernommen wurde. Aus dieser Stadt, dann aus Kurion, Kition (jetzt Larnaka) und einigen anderen Orten (Golgoi, Dali) stammen die bemerkenswertesten Funde, welche den Phönikern zuzuschreiben sind.

Eigenart der phönikischen Kunstdenkmale. Diese Funde lassen erkennen, daß die Phöniker mittelasiatische und ägyptische Art vereinigten, insbesondere aber letztere in ihrer Formgebung bevorzugten. Was für die obgenannten Arten namentlich bei den Bauwerken bezeichnend ist, daß die Arbeitsfertigkeit mehr hervortritt als das Streben nach Formschönheit, findet sich auch hier. Mit der Massigkeit - ungeheure Blöcke und Platten - suchte man den Eindruck zu erzielen.

Als phönikische Besonderheit ist vielleicht nur der Rundbau und die Einführung von Kuppeln zu betrachten, was immerhin einen Fortschritt gegenüber den rechteckigen und Pyramiden-Formen bedeutet. In der Verzierung (Ornamentik) und in der Bildnerei folgten die Phöniker gleichfalls ägyptischen und assyrisch-babylonischen Vorbildern,

^[Abb.: Fig. 69. Zwei Figuren aus Golgoi auf Cypern.]