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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Italien

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Italien.

Malerei. Die Malerei fand bei den Etruskern ausgedehnte Anwendung und sorgfältige Pflege. Allerdings erscheint es unsicher, ob sie auf italischem Boden selbständig sich entwickelte oder nur von auswärts eingeführt wurde. Bei den sonstigen Anlagen zu Fertigkeiten darf man aber wohl annehmen, daß eine solche zur Zeichnung und Farbengebung auch vorhanden war und wenn auch die erhaltenen Wandmalereien in den Grabkammern unverkennbar griechische Einflüsse zeigen, so deuten doch gewisse Eigentümlichkeiten darauf hin, daß schon eine eigene Vorbildung vorlag. Die Zeichnung erscheint im Allgemeinen scharf und kräftig, die Gestalten sind in lebendiger Bewegung dargestellt, aber sie ist nicht natürlich frei und oft übertrieben. Die Farben sind hell und leicht aufgetragen, stimmen auch meist gut zusammen.

Eigenart der etruskischen Kunstübung. Bemerkenswert ist, daß auf allen Gebieten die Werke eine große Verschiedenheit in der Ausführung zeigen, selbst wenn sie offenbar gleichen Zeiträumen angehören. Neben sehr sorgfältig behandelten finden sich solche, die ganz flüchtig und roh gearbeitet sind. Es hängt dies eben damit zusammen, daß bei den Etruskern jegliche Kunstübung immer ins Handwerksmäßige geriet. Man könnte dies etwa so ausdrücken: die Etrusker waren geschickte Kunstgewerbler, mit lebhafter Empfänglichkeit für alle neuen Kunstformen, aber ohne die Kraft, solche frei und selbständig weiterzubilden und echte Künstler zu werden. Es fehlte offenbar die bewegliche Einbildungskraft und die aus letzterer fließende Erfindungsgabe. Immerhin hatten sie aber die auf italischem Boden ursprünglich vorhandenen Kunstkeime auch aus Eigenem befruchtet, vor allem aber liegt ihre Bedeutung darin, daß sie mit Eifer und Geschick die Einflüsse des Ostens - des Orients und Griechenlands - aufnahmen und verbreiteten, und als unmittelbare Lehrmeister der späteren politischen Herren der Welt, der Römer, diese trotz des Mangels an eigener Kunstbegabung so vorbildeten, daß sie die inzwischen vollentwickelte griechische Kunst in der ganzen Welt einbürgern konnten.

Die Tafel auf S. 72 zeigt einige Proben der altetruskischen Kunst. Ferner habe ich einige Beispiele der reiferen Kunst im nächsten Abschnitt zur Verdeutlichung des Einflusses auf die römische Bildnerei und Baukunst herangezogen.

^[Abb.: Fig. 83. Bronzeplatte aus Olympia mit getriebenen Darstellungen.]