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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

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Die hellenische Kunst.

untergeordnete Rolle spielen. Die Verwandtschaft und Rangordnung der Götter, wie wir sie heute aus der "Mythologie" kennen, ist das Ergebnis einer späteren Lehre, die mehr von Dichtern als von den Priestern ausgebildet wurde. In Athen war, um nur an einem Beispiel das Verhältnis zu zeigen, nicht der "Vater der Götter", Zeus, sondern Pallas Athene Hauptgottheit. Auf kleinasiatischem Boden und den Inseln treffen wir vorwiegend weibliche Gottheiten - Aphrodite, Artemis, Hera -, welche dort vielfach Züge der semitischen Astarte aufweisen.

Diese kurze religionsgeschichtliche Bemerkung habe ich hier eingeschaltet, weil sie auch einige Erscheinungen in der Kunstentwicklung der verschiedenen Gebiete verständlich macht.

Tempelbau. Die ersten sicheren Zeugnisse für den griechischen Tempelbau stammen aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. Die Baukunst erscheint da bereits ziemlich entwickelt, es bestehen für Anlage und Bauweise feste Regeln. Was zwischen dieser Zeit und der mykenischen liegt, entzieht sich unserer Kenntnis, und es lassen sich über den Entwicklungsgang nur Vermutungen aufstellen.

Holzbau. Zweifellos ist die griechische Baukunst vom Holzbau ausgegangen. Die ganzen Formen des ältesten Stiles - des dorischen - weisen darauf hin, die Anlage des Daches, die Gliederung des Giebels, auch die Säule selbst. In manchen Einzelheiten seiner Gestaltung erinnert der altgriechische Tempel thatsächlich vielfach an das aus Holz gefügte nordische Bauernhaus. Begreiflicherweise blieb von diesen ältesten Holzbauten nichts erhalten, zumal schon im 7. Jahrhundert der Uebergang zum Steinbau sich vollzog. Eine teilweise Verwendung des Holzes, insbesondere für die Decke, fand aber noch längere Zeit statt.

Grundformen der Tempel. Mit zwei Hauptformen tritt der griechische Tempelbau in Erscheinung: dem sogenannten "Anten-Tempel" und dem "Peripteros" (Pteros = Umgang). Ob letzterer aus dem ersteren sich entwickelt hat oder eine selbständige Erfindung sei, darüber herrscht Streit. Für letztere Annahme trat namentlich Semper ein, und auch ich neige mich ihr zu, weil der Gedanke, das Dach eines langgestreckten Hauptbaues auf allen vier Seiten auf Säulen zu stützen, ja Baumeistern mit so ausgesprochenem Verständnis für schöne Maßverhältnisse, wie es die Griechen waren, nahe liegen mußte.

^[Abb.: Fig. 92. Zwei Metopen aus Selinunt.

Herkules und die Kerkopen.

Perseus und Medusa.]