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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

Aussehen gehabt. Man überzog sie daher mit Stuck, dem man einen gleichmäßigen Farbenton geben konnte. Bei dem später verwendeten Marmor war das grelle Weiß störend, das allerdings im Laufe der Zeit infolge der Einflüsse von Luft und Licht vergilbt. Dies erfolgt aber ungleichmäßig, und man zog es daher vor, sofort dem Marmor durch Beizen einen einheitlichen Farbenton zu geben.

Nun kam aber in Betracht, daß nicht nur Stein, sondern auch Holz und Metall zur Verwendung gelangten, und ferner, daß die verschiedenen Teile des Baues auch eine verschiedene Aufgabe hatten, welche dem Auge verdeutlicht werden sollte. Der Grundton (des Stucküberzuges) kennzeichnet die Hauptglieder der eigentlichen Baufügung; jene Teile, welche Verschalung, Verschluß, Bekleidung bedeuteten, wie z. B. die Dreischlitze (Triglyphen), wurden durch eine besondere Färbung hervorgehoben. Hierbei kamen Blau für die hervortretenden, Dunkelroth für die zurückliegenden Teile hauptsächlich in Anwendung. Die Farbe wurde gleichmäßig, aber nicht vordringlich, aufgetragen. - In letzter Linie kam dann noch die Verzierung (Ornament) hinzu, um auch feinere Glieder - Abacus, Gesimse - in ihrer Bedeutung hervortreten zu lassen. Diese Verzierungen wurden auch in einfachen Farben, ohne Schattierung, ausgeführt; stets blieb die Hauptsache, daß die ursprüngliche Form nicht verdeckt oder verändert wurde; die Färbung unterordnete sich gänzlich dem Baulichen, sie "diente" nur zur Erhöhung der Wirkung desselben. Erst in der späteren Zeit treten auch eigentliche Gemälde auf den inneren Wandflächen auf, welche nicht mehr bloß dem Baulichen dienen, sondern schon selbständig wirken wollen.

Bildnereischmuck. Noch bevor aber Letzteres eintrat, hatte sich jedoch eine Wandlung in der Ausschmückung der Tempel vollzogen, welche eine Folge der Entwicklung der Bildnerei war. Die vorhin geschilderte Färbung war die ältere ursprüngliche Schmuckform, die in ihrer Einfachheit den Bau an sich zur ausschließlichen Geltung kommen ließ. Nunmehr wurde aber das Farbenornament der Flächen durch Arbeiten der Bildhauerkunst ersetzt. Im Anfange bewahrten auch diese noch eine gewisse Unterordnung, mit dem Fortschritte der Bildnerei treten sie aber immer mehr in den Vordergrund und ziehen zuletzt die ganze Aufmerksamkeit zu Ungunsten des Baues auf sich. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bezeichnet der Ersatz der Säulen durch Standbilder, Karyatiden (Fig. 90). In der Bildnerei lag ja der Schwerpunkt der griechischen Kunstübung, die auf diesem Felde zu höchster Vollendung gelangte, und da ist es nur natürlich, daß sie alles andere beherrschte.

^[Abb.: Fig. 95. Bogenschütze vom Ostgiebel des Tempels zur Aegina.

München. Glyptothek. (Nach Photographie von Bruckmann.)]