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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

Bildhauerei finden Beschäftigung auch in weltlichen Kreisen und richten sich nach deren Geschmack und Anforderungen.

So entwickelt sich die Wandmalerei zur Tafelmalerei, und die Bildhauerkunst schafft nicht mehr allein für die heiligen Stätten Götterbildnisse, Weihgeschenke und Schmuckstücke, sondern schreitet auch zum "Porträt", dem getreuen Menschenbildnisse, fort. Ihre Werke haben jetzt einen Selbstzweck und sind nicht mehr von einem Bauwerk abhängig. Dies bestimmt auch ihre ganze Eigenart.

Weltliche Auffassung. Wir finden nunmehr eine große Mannigfaltigkeit in den dargestellten Gegenständen. An Stelle der wenigen Hauptgottheiten tritt die Menge der Nebengötter, Halbgötter und Dämonen, und dies eröffnet ein weites Feld für die Erfindungs- und Gestaltungsgabe. Die "göttliche Hoheit", welche das Tempelbild erheischte, ist nicht mehr Erfordernis; dies gestattet dem Künstler eine größere Freiheit in der Darstellung, man kann auch Götter wie Menschen handelnd bilden. - In dieser Hinsicht kehrt die Kunst wieder gewissermaßen auf den Standpunkt der altertümlichen zurück, welche Götter und Menschen nicht unterschied. Damals war aber das Unvermögen der Hauptgrund, während jetzt bewußt die Götter auf den menschlichen Standpunkt herabgezogen werden.

Das Weib. Vor allem aber tritt das "Weib" in den Vordergrund, wird vollendete Darstellung des nackten weiblichen Körpers - ein Hauptziel der Bestrebungen, wie jene des männlichen Körpers ein solches der früheren Zeit war, welche ihre weiblichen Figuren bekleidet, höchstens halb entblößt gab.

Ebenbildniskunst. Ich habe schon vorhin angedeutet, daß der Hauptfortschritt der Bildnerei in der "Porträt"-Kunst, in der getreuen Wiedergabe des Menschenbildnisses, zu sehen ist. Dies bedeutet in Wahrheit, daß man zur vollendeten Darstellung des inneren geistigen Wesens, des Seelenausdruckes gelangte.

Auch in der früheren Zeit hatte man solche Ebenbildnisse geschaffen, aber sie gaben nur eine "Aehnlichkeit", nicht die treue Wahrheit; die älteren begnügten sich mit der äußeren Aehnlichkeit der Gesichtszüge, die späteren verleihen ihren Köpfen einen geistigen Ausdruck, der aber auch nur "ähnlich" ist. Die Bildnisse "idealisieren", sie geben den Menschen nach den Vorstellungen des Künstlers veredelt wieder, nicht in seiner wahren Eigenart. Daß dem so war, bezeugen die Urteile der Alten selbst.

Die Meister des Zeitalters. - Skopas. Der neuen Richtung gehören schon Kephisodot (der Aeltere), Silanion und Demetrios an - die beiden letzteren werden insbesondere als "Porträt"-Bildner genannt -, ihre Hauptmeister sind Skopas und Praxiteles (angeblich ein Sohn des Kephisodot).

Skopas, der auch den Tempel zu Tegea erbaute, steht zu Praxiteles in einem ähnlichen Verhältnis wie Myron zu Phidias. Die Jüngeren sind die Berühmteren, aber das

^[Abb.: Fig. 105. Idolino. Bronzestandbild.

Florenz, Archäologisches Museum.]