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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

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Die hellenische Kunst.

Empfinden auch ein wenig. In bedeutenderen Sammlungen, wie in München, Berlin, Wien, Dresden, ist dies natürlich leichter, da in diesen genug vom Besten vorhanden ist.

Für das Verständnis schöner Formen und Verhältnisse genügt schließlich auch ein guter Gipsabguß, doch ist auch dieser nur ein unvollkommenes Hilfsmittel, da im Gips alle Formen plumper erscheinen und häufig die vielen Gußnähte und das grelle Weiß störend wirken. Zur Ergänzung nehme man deshalb gute Photographien der Urbilder, welche oft überraschend schön den Reiz des Materials, welcher an der Gesamtwirkung einen großen Anteil hat, wiedergeben. - Auf die vielen früher vorgenommenen Ergänzungen von meist recht fragwürdigem Werte machen jetzt die Verzeichnisse aufmerksam. Kleinere Ergänzungen, zumal aus anderem Stoff (z. B. bei Marmor aus Gips) schaden nicht, sondern erleichtern dem ungeübten Auge das Verständnis.

Anordnung der Abbildungen. Um dem Leser ein möglichst klares Bild der Entwicklung der griechischen Kunst zu geben, habe ich die Haupttypen zusammenhängend behandelt, weil mir dadurch ein Vergleichen leichter zu sein scheint. Eine strenge Trennung in Schulen habe ich vermieden, da es mir nur darauf ankommt, die Entwicklung der Gesamtheit zu veranschaulichen. Zum Vergleich oder zur Ergänzung sind des öfteren andere Beispiele herangezogen, und zwar meist solche, welche als Einzelart auftreten. In sich abgeschlossene Entwicklungsstufen sind jedoch für sich allein behandelt.

Beispiele der ältesten Kunst. Auf der Tafel S. 72 und in Fig. 74-84 sind einige Proben der ältesten griechischen Kunst abgebildet, deren Eigenart und Bedeutung auf Seite 80 und folgende gekennzeichnet wurde. In 9 u. 10 der Tafel findet man zwei der sogen. Gesichtsvasen aus Troja und zwar aus der vierten Stadt. Durch Aufsetzen von Thonklümpchen und Wulste wurde die Kennzeichnung der menschlichen - weiblichen - Gestalt versucht. Der Hinweis auf das Weibliche geschah in größeren Vasen auch dadurch, daß ihnen Gefäße, deren sich die Frauen zu den häuslichen Verrichtungen bedienten, beigegeben wurden; 10 ist also die Andeutung einer Frau, die Wassergefäße auf dem Kopf und in den Händen trägt. Eine Darstellung des Weibes in einfachster Form ist auch das Bleifigürchen (11 der Tafel), das als Idol - Götzenbild - betrachtet wird.

Aus dem reichen Schatze der mykenischen Funde stammen die vorgeschritteneren Kunsterzeugnisse, wie die Grabstele (8 der Tafel auf S. 72), die einen Mann in einem mit einem Pferde bespannten Wagen darstellt; ein zweiter Mann scheint das Pferd zu leiten. Eine Durcharbeitung der Formen fehlt noch gänzlich, die Gestalten sind einfach durch Umrisse und wellige eingeritzte Linien gebildet. Das Spiralmuster der Grabstele findet sich häufig an Schmucksachen und Baugliedern als Zierwerk; eins der schönsten Beispiele ist eine Saaldecke aus einem Schatzhause in Orchomenos Fig. 74 u. 75. Weit höher als an der

^[Abb.: Fig. 130. Nike die Sandalen zubindend.

Flachbild von der Brüstung des Niketempels zu Athen.]