Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

131

Die hellenische Kunst.

Art sind in verschiedenen Teilen Griechenlands gefunden worden, die abgebildete ist eine der besten. Die Bezeichnung als "Apoll" ist unrichtig, es handelt sich hier um ein Weihegeschenk oder um eine Grabbeigabe. Im Allgemeinen erinnert die Figur an ägyptische Standbilder, doch ist das Bestreben, möglichst naturwahr zu sein, schon bemerkbar. Man vergleiche z. B. die Durchbildung des Unterkörpers und der Arme mit dem in der Haltung ähnlichen Renefer auf S. 30. Auch den Unterschied in der Haltung zeigt dieser Vergleich deutlich; diese ist beim "Apoll" bei aller Starrheit doch so kraftvoll, daß die Stütze, welche beim Renefer notwendig ist, fortfallen kann.

Mit Ueberspringung der attischen Bildwerke dieser Zeit, welche z. T. bei den Flachbildern und der Besprechung der Frauenbilder behandelt werden, wende ich mich gleich zu einer Reihe höher entwickelter Werke, welche, wie der Apoll, dem dorischen Kunstkreise angehören. Es sind dieses die Giebelfiguren vom Tempel zu Aegina.

Tempelschmuck von Aegina. Etwa hundert Jahre später als der besprochene Jüngling entstanden, zeigen sie deutlich den gewaltigen Fortschritt, welchen die Kunst in dieser Zeit gemacht hat. Ost- und Westgiebel des Tempels waren mit Darstellungen geschmückt, welche die Kämpfe der Griechen und Trojaner zum Vorwurf hatten. Beide Giebel dürften zur selben Zeit entstanden sein, doch zeigen die Figuren am östlichen eine größere Vollkommenheit, so daß man jetzt dafür einen etwas vorgeschrittenen Künstler annimmt.

Den Mittelpunkt der Gruppen bildet die schützende Athene, welche in ihrer starren Ruhe der wirksamste Gegensatz zu den Kämpfenden ist und die Bewegtheit derselben noch lebhafter erscheinen läßt. Vor ihr liegt ein Gefallener, um dessen Leichnam gekämpft wird. Zwei Gestalten rechts und links der Athene sind bis auf kleine Bruchteile verloren. Aus den besser erhaltenen Resten ähnlicher Gestalten vom Ostgiebel ersieht man, daß diese versuchten, den Gefallenen auf ihre Seite zu ziehen. Auf diese "Zugreifer" folgten wieder rechts und links die sog. Vorkämpfer, auf diese Bogenschützen und knieende Speerwerfer. Den Beschluß bildeten Gefallene, welche sich bemühten, den tötlichen Pfeil aus der Wunde zu ziehen.

Die Dreiecksform des Giebels zwang zu dieser Anordnung. Wir werden später bei den Giebelfiguren des Parthenons und des Zeustempels zu Olympia eine ähnliche Aufgabe finden. Abb. Fig. 94 zeigt die Athene, den Gefallenen und den von links kommenden Vorkämpfer. Zum Vergleich gebe ich in Fig. 95 u. 96 einen Bogenschützen und Gefallenen vom Ostgiebel. Die Ausführung ist eine sehr sorgfältige und läßt darauf schließen, daß die Künstler hauptsächlich in Bronze gearbeitet hatten und die bei dieser notwendige

^[Abb.: Fig. 137. Eirene mit dem Plutosknaben.

München, Glyptothek. (Nach Photographie von Bruckmann.)]