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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

der älteren Götter oder der Bildnisse, oder wenn durch das Gewand eine bestimmte Eigenschaft (wie bei den vorigen Beispielen) bezeichnet werden soll. Anders ist dies bei der Darstellung des Weibes. In diesen Fällen überwiegen die bekleideten Gestalten die Darstellungen des nackten Körpers bedeutend.

Völlig unverhüllt wird mit geringen Ausnahmen nur Aphrodite dargestellt, und auch für diese suchte der Künstler gleichsam einen Vorwand, durch den er die Nacktheit begründete: Die Göttin hat sich entkleidet, um in das Bad zu steigen.

Die Gewandbehandlung d. h. die möglichst natürliche und schöne Wiedergabe des Stoffes, die schöne Zusammenstimmung mit den bloßen Fleischteilen und der Wechsel zwischen den sich den Körperformen anschmiegenden und freifallenden Gewandteilen, war eine Aufgabe, deren Lösung nicht weniger schwierig ist als die Durchbildung des "Nackten". Die Abbildungen Fig. 126-140 sollen den Weg zeigen, den die Entwicklung des Gewandstiles genommen hat. Natürlich ist das Gewand nicht die Hauptsache bei der Darstellung der weiblichen Gestalten, sondern die Durchbildung der Formen und die Vertiefung des Gesichtsausdruckes wurde ebenso ernst und so rastlos erstrebt wie bei den Männergestalten.

Die Nike aus Delos. Fig. 126 ist ein Beispiel der frühen griechischen Darstellung des Weibes. Sie wird als das Werk eines jonischen Künstlers aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. betrachtet und zwar des Archermos, von dem man weiß, daß er zuerst eine geflügelte Siegesgöttin geschaffen hat. Die Darstellung des Fliegens war nun ziemlich schwer. Der Künstler behalf sich mit einer Andeutung, indem er die Füße in der Seitenansicht bildete und zwar so, als wenn die Nike sehr schnell liefe. Die Füße berührten den Boden nicht, den Stützpunkt gab das verlängerte Gewand. Aus dem vorliegenden Werke konnte dieses nicht ohne weiteres erkannt werden, doch halfen Abbildungen der fliegenden Nike auf Münzen usw. aus. Der rechte Arm war erhoben, der linke stützte sich auf die Hüfte, wie man aus dem Rest der linken Hand erkennen kann. Der Gesichtsausdruck zeigt den lächelnden Zug, der schon früher als für die altertümliche griechische Kunst eigentümlich bezeichnet wurde.

Große Sorgfalt ist auf die Durchbildung des Haares gelegt worden; dasselbe tritt in ganz gleichmäßigen Wellen unter dem Kopfschmuck hervor und legt sich in drei dünnen, zierlich geflochtenen Zöpfen auf die Brust. Das Gewand liegt dem Oberkörper ganz glatt an, am Unterkörper fältelt es sich etwas.

^[Abb.: Fig. 156. sterbender Gallier.

(Sog. sterbender Fechter.) Rom, Kapitol.]