Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

150

Die hellenische Kunst.

fast männlich gebildet. Das Gewand umschließt den Oberkörper nur lose und fällt vom Gürtel abwärts in einfachen, breiten, schön geordneten Falten, die den Eindruck des Gewaltigen noch steigern. Die Brust wird von der leicht umgeworfenen Aegis (ein Ziegenfell mit dem Gorgonenhaupte, dessen Schütteln nach der Sage Schrecken hervorrufen sollte) bedeckt, die mit dem Obergewande um die Hüften gegürtet ist. Die Reste der Arme sind kraftvoll und lassen vermuten, daß die Göttin in der linken Hand den Helm trug und sich mit der rechten auf die Lanze stützte. Das Gesicht ist trotz seiner Herbheit von großer Schönheit, die überwiegende Strenge in Gesicht und Körper wird durch eine leichte Neigung und Drehung des Kopfes gemildert. Die Last des Körpers ruht fast ganz auf dem rechten Fuß, der linke ist etwas seitlich gestellt. Dadurch wird die zu große Steifheit, die bei festem Stand auf beiden Füßen immer eintritt (vergl. die Athena von Aegina), vollständig vermieden.

Athena Parthenos. Auch die Athena Parthenos (Fig. 129) war ein einst weitberühmtes Werk des Phidias, doch ist in der Nachbildung, die auf uns gekommen ist, wenig von den gepriesenen Schönheiten enthalten. Die Nachbildung ist nur in kleinem Maßstabe - 1 m Höhe - gehalten, während das Urbild eine Höhe von 12 m hatte. Es war ein Goldelfenbein-Standbild, der Kern aus Holz, die abnehmbaren Gewandteile mit Gold überzogen, das Fleisch aus Elfenbein gebildet. Von dem geistigen Gehalte des Bildwerkes, das auf der Burg von Athen aufgestellt war, kann man aus der Nachbildung nicht viel entnehmen, da nur die allgemeinen Züge mit nicht mehr als handwerksmäßigem Geschick wiedergegeben sind. Die Göttin ist als siegreiche Schützerin der Stadt dargestellt; die linke Hand stützt sich auf den Schild, unter dem sich die Burgschlange hervorringelt, in der rechten Hand, die zum besseren Halt auf einer Säule ruht, hält sie eine geflügelte Siegesgöttin (Nike). Den Kopf trägt sie im Gegensatz zu der Athena Lemnia ganz aufrecht; ihn bedeckt ein reich geschmückter Helm, unter dem das Haar in leichten Wellen hervorquillt, von hinten legen sich ein Paar Strähnen über die Brust. Die Gewandbehandlung ist ähnlich der bei der Athena Lemnia, nur ist die Aegis kragenartig umgelegt, so daß das Gorgonenhaupt deutlich sichtbar ist. Die Athena Parthenos gleicht im Allgemeinen den herkömm-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 162. Dionysos besucht einen Dichter.

Hellenistisches Flachbild. Neapel, Museo Nazionale.]