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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

lichen nicht zurückschreckt, stark ausgebildet zeigt. Ich gebe in Fig. 155 die kleine Bronzefigur eines Anglers, die in Pompeji gefunden wurde, jedenfalls aber alexandrinischen Ursprungs ist. Andere solcher Bildwerke stellen Bauern, die Vieh zum Markt treiben, alte Männer und Frauen, Trunkene u. s. w. dar. Auch in Flachbildern kommen derartige Sittenschilderungen vor, wie die Probe Fig. 162 zeigt.

Laokoongruppe. Auf durchaus großartige Wirkung ging im Gegensatz zu Alexandrien die Schule von Rhodos aus. Das erhaltene Hauptwerk dieser Schule ist die schon auf S. 119 erwähnte (von den Künstlern Agesandros, Athanadoros und Polydoros gefertigte) Gruppe des Laokoon und dessen Söhne, deren Abbildung ich auf S. 145 gebe. Der Sinn der Darstellung ist der folgende: Laokoon, der Priester des Poseidon, hatte die Trojaner vor dem hölzernen Pferde der Griechen gewarnt und wurde zur Strafe dafür mit seinen Söhnen durch zwei von Athena gesandte Schlangen getötet, als er im Poseidontempel ein Opfer darbringen wollte. Der Priester ist auf dem Altar niedergesunken und bemüht sich mit aller Kraft, die eine Schlange von sich abzuhalten, die ihn bereits in die Seite beißt (der rechte Arm ist falsch ergänzt, man muß ihn nach dem Hinterkopfe zu gebogen denken). Der Sohn zur Rechten des Laokoon ist an Armen und Füßen von der zweiten Schlange umstrickt und hat nicht mehr die Kraft, den Biß derselben abzuwehren; der zweite Sohn, der am wenigsten bedrängt ist, blickt mit hilfloser Geberde zum Vater auf. Der Ausdruck des Schmerzes zeigt sich am stärksten im Kopf des Laokoon, der trotz des Entsetzens doch nicht abstoßend wirkt. Man sieht, die Künstler suchen mit großen äußeren Mitteln auf die Gemüter der Beschauer zu wirken, und das ist die Schwäche des Werkes; die Vorzüge liegen in der ausgezeichneten treuen Wiedergabe der kraftvollen Muskelbewegungen, in der trotz aller Bewegtheit geschlossenen Wirkung der drei durch die Schlangen verknüpften Körper und in der Abstufung des Ausdruckes der körperlichen und seelischen Empfindungen, des Schmerzes und Entsetzens in den Köpfen.

Sterbender Gallier. Auch das Wesen der pergamenischen Kunst ist auf S. 119 kurz gekennzeichnet worden. Die Abbildung Fig. 156 ist eine Probe der dort erwähnten Gallierdarstellungen, welche die Naturbeobachtung der Künstler von Pergamon in der getreuen Wiedergabe der Volkseigentümlichkeiten in Gesicht und Körper zeigt. Der Gallier ist, an der rechten Seite tötlich verwundet, auf den Schild niedergesunken und stützt den erschlaffenden Körper mit dem rechten Arm. Der Kopf zeigt den Ausdruck des Leidens ohne Uebertreibung in einfacher Naturwahrheit. - Das Hauptwerk der Kunst von Pergamon, der Schmuck des großen Altares, bildet für die Flachbildnerei der Antike den Gipfelpunkt der bewegten Darstellung, wie die Laokoongruppe den der Rundbildnerei. Ich stelle deshalb eine Probe des Frieses an das Ende einer kleinen Zahl von Abbildungen, die einen kleinen Ueberblick über die Entwicklung des Flachbildes in der griechischen Kunst geben sollen.

^[Abb.: Fig. 175. Römischer Sarkophag mit Darstellung der Niobesage.]