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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

Farbe übermalt; so alle unbekleideten Körperteile der Frauen. Die Gestalten mußten bei diesem Verfahren die Art von Schattenbildern beibehalten und eine größere Feinheit in der Ausführung der Einzelheiten war nicht möglich.

Rotfiguriger Stil. Dazu gelangte man nun zu Ende des 6. Jahrhunderts durch die einfache Umkehrung der Grundfarben, indem man nicht mehr die Umrisse der Figuren mit schwarzem Firnis ausfüllte, sondern den Grund, so daß die Gestalten jetzt in Rotgelb erschienen. Mit dieser Erfindung war ein weiterer Fortschritt auch im Stile gegeben, denn auf dem rotgelben Figurengrunde ließ sich durch Einzeichnung schwarzer Linien viel mehr an Einzelheiten wiedergeben. Die Zeichnung des "rotfigurigen" Stils ist demnach auch schon weit "künstlerischer" als jene des schwarzfigurigen. Die Stellungen sind freier, die Bewegungen lebendiger, die Körperformen und die Gesichter ausdrucksvoller.

Die Fig. 176 zeigt ein im rotfigurigen Stil bemaltes Prachtgefäß, eine Amphora mit der Darstellung einer Amazonenschlacht. Das Gefäß ist wie die meisten anderen derartigen Kunsterzeugnisse in Italien gefunden worden, stammt aber wahrscheinlich aus Griechenland oder ist wenigstens von einem griechischen Künstler hergestellt worden. Der Wert liegt nicht allein in der Malerei, sondern auch in den schönen Formen und Verhältnissen, die fast allen, auch den unbedeutendsten Gebrauchsgefäßen eigen sind.

Kunstmalerei. - Polygnot. Die Gefäßmalerei war Sache von Handwerkern, und wenn diese schon Arbeiten in "künstlerischem" Stile liefern konnten, so muß wohl vorausgesetzt werden, daß die "Kunstmaler" noch Besseres leisten mußten. Als der "große Meister" tritt nun um die Mitte des 5. Jahrhunderts, nach den Perserkriegen, Polygnot auf, dessen Ruhm nicht minder groß war, wie jener des Phidias. Da von seinen Werken nichts erhalten ist, müssen wir uns mit den Schilderungen der alten Schriftsteller begnügen, aus welchen hervorgeht, daß Polygnot nicht nur der "erste Maler" seiner Zeit war, sondern überhaupt auf die ganze künstlerische Entwicklung einen bestimmenden Einfluß übte, so daß auch die Bildhauerei - er soll selbst auch in dieser sich versucht haben - von ihm lernte. Seine Stärke lag in der Anordnung und Zusammenstellung (Komposition) der handelnden Gestalten und anderer Einzelheiten, ferner in dem Ausdruck der inneren, geistigen Bewegung.

Beschränkung auf Umrißzeichnungen. Im wesentlichen waren seine Gemälde auch Umrißzeichnungen, welche mit leichten Farben ausgefüllt wurden, der Schatten war nur durch schwarze Striche angedeutet; am ehesten kann man sich vielleicht dieselben vorstellen, wenn man an gemalte Glasfenster denkt, bei denen auch nur farbige Flächen von Umrißlinien umrandet erscheinen. Von Farben soll Polygnot nur vier verwendet haben.

Bemalte Flachbildwerke. Den reinen Wandgemälden schlossen sich die bemalten Flachbildwerke an, bei denen überhaupt der innige Zusammenhang zwischen Malerei und Bildnerei zu Tage tritt, so daß manche der Anschauung sind, die Flachbildnerei sei aus der Malerei hervorgegangen. Da nämlich die Maler noch nicht im stande waren, ihre Figuren körperlich zu gestalten, sondern nur Umrisse auf der Fläche gaben, so suchten sie

^[Abb.: Fig. 184. Taubenmosaik aus der Villa Hadrians.

Rom. Kapitolinisches Museum.]