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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

den Eindruck des Körperlichen durch Austiefung des Untergrundes zu erzielen. Diese Ansicht hat in der That viel Bestechendes, und es dürfte wirklich bei manchen Gemälden dieser Kunstgriff angewendet worden sein. Andererseits erscheint aber das Einschnitzen von Figuren, sowie (in der Töpferei) das Aufsetzen von solchen auf die Fläche auch als eine ursprüngliche Kunstübung. Jedenfalls ist aber die Wechselwirkung der beiden Kunstzweige auf einander sicher.

Weitere Entwicklung der Malerei. Zeuxis. Parrhasios. Die Gesetze des "räumlichen und körperlichen Sehens" - Perspektive und Modellierung - hatte Polygnot noch nicht gekannt und angewendet. Die Perspektive soll zuerst der Athener Agatharchos, welcher für die Bühnen "Coulissen" malte, berücksichtigt haben, während die Schattengebung auf Apollodoros zurückgeführt wird. Diesen Fortschritten in der Malweise folgte auch ein solcher in der ganzen künstlerischen Auffassung.

Der Aufschwung der Malerei, die nicht mehr blos Wandgemälde, sondern selbständige Tafelbilder liefert, fand namentlich in Kleinasien statt, wo auch die berühmtesten Meister des 5. Jahrhunderts - Zeuxis und Parrhasios, beide in Ephesos - wirkten. Die Berichte heben insbesondere die ungemein große Natürlichkeit ihrer Gemälde hervor; jedenfalls liegt der Kern dieser Erzählungen darin, daß die Meister nicht nur durch richtige Verteilung von Licht und Schatten und entsprechende Zeichnung, sondern auch durch naturwahre Farbengebung den Eindruck des Körperlichen und Wirklichen hervorzurufen verstanden, also die eigentliche malerische Wirkung erzielten. Da die gleichzeitige Bildnerei nicht nur in vollendeter Wiedergabe der Formen des Körpers, sondern auch im Ausdruck der Eigenart und der seelischen Zustände Großartiges leistete, so muß wohl auch die Malerei in dieser Hinsicht ihr mindestens gleich gekommen sein, sonst hätten die Alten sicherlich nicht ihre Werke oft höher geschätzt, als jene der Bildhauer.

Ein Zeitgenosse der Vorgenannten war auch Timanthes, ein Inselgrieche, dessen berühmtestes Gemälde - Opferung der Iphigeneia - wie man annimmt, in dem Flachbildwerk eines runden Altars (zu Florenz) nachgebildet ist.

Malerschulen in Griechenland. Im 4. Jahrhundert wurde wieder das Festland auch in der Malerei tonangebend; in Sikyon, Athen und Theben entstanden besondere "Schulen". Die Sikyonier sollen hauptsächlich durch Strenge und Richtigkeit der Zeichnung sich hervorgethan haben. Von einem ihrer Meister, Pausias, wird berichtet, daß er nicht nur vorzügliche Blumenstücke malte, sondern auch Deckengewölbe mit seinen Werken schmückte, bei denen die Kunst der Verkürzungen gerühmt wurde. In Athen hatte Nikias den erneuten Aufschwung der Malkunst eingeleitet, seinen Werken wird ein Zug ins Großartige nachgerühmt. Ein Wandgemälde auf dem Palatin gilt als Nachbildung eines seiner Gemälde.

Apelles. Als der größte Maler des Altertums wird Apelles genannt, ein Kleinasiate, der in Ephesos und dann in Sikyon sich ausgebildet hatte. Schon Philipp von Macedonien hatte ihn an seinen Hof berufen und mit Lysippos teilte er sich in die Gunst Alexander d. Gr., für den er hauptsächlich arbeitete. Die Zeitgenossen nannten seine Werke "unnachahmlich" hinsichtlich der Feinheit der Formen,

^[Abb.: Fig. 185. Mosaik aus Pompeji.

Neapel, Museo Nazionale. (Nach Photographie von Alinari.)]