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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

und Ausgedehnten kommt aber bald der Dipteros - bei dem zwei Säulenreihen die Zelle umgeben - stark in Aufnahme.

Umbildung der Stilformen. Die römische Säule. Bei den Säulen wurden zwar alle Stilarten angewendet, aber in verschiedenem Maße. Der einfache dorische Stil fand den geringsten Anklang, am meisten bevorzugt wurde, weil der prächtigste, der korinthische. - Die dorische Säule wurde ziemlich frei umgebildet, indem man die etruskischen Sockelbildungen beibehielt und den Knauf mit Verzierungen versah. Die jonische Form verlor bei den Römern wieder viel von ihrer anmutigen Eigenart und wurde derber gestaltet. Die korinthische Säule dagegen erscheint in der römischen Behandlung noch feiner und reicher durchgebildet. Bald genügte auch diese Form nicht mehr, und man verband die Grundteile des korinthischen mit jenen des jonischen Knaufes, indem man auf die Akanthusblätter noch Schneckenglieder (Voluten) aufsetzte. Damit war das zusammengesetzte römische Kapitäl entstanden. Das römische Kapitäl ist im Grunde widerspruchsvoll, da auf dem leichten Blattwerk die schweren Schneckenglieder lasten, andererseits aber war eine Verstärkung des Knaufes begründet, da ja die römische Säule weit größere Massen zu tragen hatte. Vor allem aber war sie wirkungsvoll, und unter diesem Gesichtspunkte wurden auch das Gebälk und die übrigen Bauglieder behandelt, indem man die Zieraten häufte.

Ausbildung des Bogen- und Gewölbebaues. Die Großartigkeit der römischen Bauten war nur ermöglicht durch Anwendung des Bogens und Gewölbes und letzteres wurde daher auch meisterhaft ausgebildet. Der reine griechische Stil gestattete keine Stockwerke, die Bauten konnten daher eine gewisse Höhe nicht überschreiten, und damit war auch die Breitenausdehnung beschränkt. Indem man nun Bogenreihen übereinanderstellte, konnte man eine bedeutende Höhenentwicklung erreichen, ohne daß das Bauwerk schwerfällig wurde, und die Gewölbeform ermöglichte die Eindeckung auch weiter Räume, welche mit Flachdecken nicht zu erzielen war.

Kreuzgewölbe. Kuppel. Das ursprüngliche einfache Tonnengewölbe, bei welchem die ganze Last auf den Seitenwänden ruht, wurde von den Römern zum Kreuzgewölbe ausgebildet und damit die Last auf vier Seiten verteilt. Damit konnte man nicht nur größere Spannungen erzielen, ohne die Wandmassen zu verstärken, sondern erhöhte auch die künstlerische Wirkung, da die Durchschneidung der Linien und die Gliederung des Gewölbes in Bogendreiecke dem Schönheitssinne entspricht.

In letzter Linie erscheint dann das Gewölbe zur Kuppel entwickelt, welche für die Rundbauten nötig war.

Rundbauten. Diese sind auch eine römische Eigentümlichkeit. Die Griechen hielten bekanntlich an der rechteckigen Grundanlage fest und wandten nur bei Theatern den Halb-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 189. Thor in Volterra.

(Nach Photographie von Alinari.)]