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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

Basiliken und Palästen umgeben, mußte ein solches Forum in der That einen ganz gewaltigen Eindruck machen, den ja selbst die heutigen Trümmerstätten des Forum romanum und Trajanum in Rom noch hervorrufen.

Theater. Schon in der ältesten Zeit nahmen die Festspielhäuser, die Theater, neben den Tempeln einen hervorragenden Platz im Bauwesen ein. Bei diesen behielten die Römer die griechische Grundanlage bei: die halbkreisförmige Anordnung der Sitze vor der Bühne. Die letztere wurde jedoch - der Tiefe nach - bedeutend vergrößert und reich geschmückt. Eine besondere Entwicklung des Theaterbaues war durch die den Römern eigentümliche Vorliebe für Kampfspiele bedingt, welch' letztere in der Kaiserzeit die Bühnendichtungen fast ganz in den Hintergrund drängten. Für diese Tier- und Fechterkämpfe war keine geschlossene Bühne notwendig, und es konnte daher der Schauplatz - Arena - ringsum von Sitzreihen umgeben werden. So entstanden das Amphitheater, in elliptischer Form, und der Zirkus, der, für Wettrennen bestimmt, eine längliche Gestalt erhielt. Das von Titus erbaute flavische Amphitheater, bekannt unter dem Namen Colosseum in Rom, ist die großartigste Anlage dieser Art. Die heute noch gut erhaltenen Amphitheater zu Verona und Pola sind ebenfalls wirkungsvoll.

Bäder. Nicht weniger prunkhaft, als die Theater, ja, in der inneren Ausstattung diese noch übertreffend, erscheint eine weitere Art von Gebäuden, die Badeanlagen (Thermen). Diese Prachtbauten waren Vergnügungsorte "größten Stiles"; keine andere Zeit weist ähnliches auf. Diese Thermen bedeckten eine riesige Fläche; sie enthielten große Schwimmbecken, Badezellen für Tausende (die Caracalla-Thermen hatten 1600 Marmorbadewannen, in denen des Diocletian konnten 3000 Personen gleichzeitig baden), Höfe mit Säulenhallen, ungeheure Säle für Ballspieler, Bibliotheken und Gemäldesammlungen. Alle Arten des verfeinerten Lebensgenusses hatten hier ihre Stätte.

Man kann sich eine Vorstellung von der Größe dieser Bauten machen, wenn man erwägt, daß der Hauptsaal der Diocletianischen Thermen allein in die ansehnliche Kirche St. Naria degli Angeli umgestaltet werden konnte (von Michelangelo) und ein Nebenraum noch die Kirche San Bernardino bildet. Die mächtigen Säulen, vor allem aber die riesigen Gewölbe und Kuppeln der Thermen gehören zu den bewunderungswürdigsten Schöpfungen der Baukunst. Wenn man noch erwägt, daß diese ungeheuren Bauten nicht nur allen erdenklichen baulichen und bildnerischen Schmuck außen und innen trugen, sondern auch mit Kunstwerken angefüllt waren, so kann man nur lebhaft bedauern, daß all diese Herrlichkeit vernichtet wurde.

Siegesthore und Ehrensäulen. Endlich sind noch als bemerkenswerte Denkmale die Siegesthore und Ehrensäulen zu nennen, welche siegreichen Feldherren zu Ehren errichtet

^[Abb.: Fig. 192. Die sog. Ficoronische Ciste.

Rom, Museo Kircheriano.]