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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

Stadtgottheiten und Tempel mit Vorliebe zu Münzbildern verwendet wurden und erst in der nachalexandrinischen Zeit die Bildnisse der Könige aufkamen.

Die griechischen Stempelschneider hatten es in der künstlerischen Auffassung des Gegenstandes - wenn sie das Münzbild aus freier Erfindung schufen - und in der Feinheit der Ausführung zu einer großen Meisterschaft gebracht, und ihre römischen Nachfolger leisteten namentlich in den Kaiserbildnissen des 1. und 2. Jahrhunderts v. Chr. geradezu Unübertreffliches.

Geschnittene Steine. Der Steinschnitt, welcher bereits in der mykenischen Zeit geübt wurde, fand erst in der nachalexandrinischen Zeit seine weitere Ausbildung, und zwar hauptsächlich in Aegypten und Syrien, wo diese Fertigkeit von altersher gepflegt worden war. Die griechischen Steinschneider veredelten sie durch ihr feines Formgefühl und verstanden es, nicht nur durch die reizvolle Zeichnung und bildnerische Gestaltung, sondern auch durch Verwertung der Eigenart der Steine vornehme künstlerische Wirkung zu erzielen.

Mit Vorliebe wurden gewisse Halbedelsteine - Karneol, Onyx u. a. - verwendet, welche mehrfache Schichten aufweisen, und diese behandelte man derart, daß der Grund und das erhaben geschnittene Bild je in anderer Farbe erschienen.

In der Kaiserzeit gedieh die Steinschneidekunst zur höchsten Vollendung, da ihre Erzeugnisse sehr geschätzt und gesucht waren und Vornehme ganze Sammlungen anlegten. Man beschränkte sich jetzt nicht blos auf Siegel und Schmucksteine, sondern fertigte auch größere Gefäße (Schalen) aus Halbedelsteinen an, die mit umfangreichen bildnerischen Darstellungen in vortrefflicher Arbeit geziert waren.

Beispiele der Kleinkunst. Die Abbildungen Fig. 192-198 zeigen einige Beispiele der antiken Kleinkunst. Bei vielen aufgefundenen Stücken ist es zweifelhaft, ob sie griechischen (hellenistischen) oder römischen Ursprungs sind, so z. B. bei jenen des Hildesheimer Silberschatzes (s. d. Tafel Kunstgewerbe des Altertums) und bei den Funden aus Boscoreale.

Zu den berühmtesten Stücken gehört ein rundes Bronzegefäß von 50 cm Höhe, die sogen. Ficoronische Ciste (Fig. 192), deren Hauptwert in der schönen eingeritzten Zeichnung ihres Mantels besteht, die sich zwischen zwei, aus zierlichen Schmuckmustern gebildeten Streifen hinzieht und Darstellungen aus der Argonautensage enthält. Als Verfertiger derselben nennt eine Inschrift den Novius Plautius in Rom, doch hatte dieser jedenfalls (wenigstens in der Zeichnung) griechische Vorbilder benützt. Die Entstehungszeit dürfte etwa das 3. Jahrhundert v. Chr. sein.

Sicher römischen Ursprungs ist ein schöner Marmorkandelaber (Fig. 193) im Vatikan, der die beliebteste römische Schmuckform, die aus der Nachbildung der Blätter von Akanthus (Bärenklau) entwickelt wurde, in reichster Ausführung zeigt.

Der bronzene Dreifuß (Fig. 194) aus dem Museum in Neapel ist ein Beispiel für die zahlreichen römischen Metallarbeiten, die sich fast ausnahmslos durch zierliche Formen und saubere Arbeit auszeichnen. Die Beine sind durch Tierfüße gebildet, auf denen Sphinxe sitzen, welche den mit Stierköpfen und Laubgewinden geschmückten Reifen tragen.

Die Abbildungen Fig. 195-197 geben Proben aus dem Silberfunde in Boscoreale, dessen Stücke sich jetzt im Louvre befinden. Wahrscheinlich hat man es mit Erzeugnissen der hellenistischen (alexandrinischen) Kunst zu thun. Es sind silberne Prunkgeräte, die aus zwei Plattenlagen bestehen, die äußere ist getrieben bearbeitet, die innere glatt. Fig. 195 ist eine Prunkschüssel mit einem weiblichen Kopfe, der die Stadt Alexandria verkörpern soll. Fig. 196 zeigt eine merkwürdige Darstellung, die unsern Totentänzen ähnelt. Es sind Skelette, die durch Inschriften als berühmte griechische Dichter und Philosophen, wie Sophokles, Euripides, Anakreon u. A. bezeichnet sind. Der silberne Becher mit Darstellungen von Vögeln (Fig. 197) hat eine besonders gefällige Form.

Den Säulenknauf (Fig. 198) erwähnte ich schon vorhin; er zeigt die reiche Ausgestaltung des römischen Kapitäls der späteren Zeit. Das Schmuckwerk besteht aus Akanthusblättern, denen eine männliche Gestalt ohne rechten Zusammenhang eingefügt ist.