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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Altchristliche Kunst

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Altchristliche Kunst.

morgenländischen Basiliken fehlen in der Regel die Querschiffe und schließt sich die Nische unmittelbar dem Langhause an, ebenso regelmäßig erscheint dagegen das Doppelgeschoß der Seitenschiffe, da die Frauen auf die Emporen (oberen Galerien) verwiesen wurden und das Langhaus ausschließlich den Männern vorbehalten blieb. In Konstantinopel, Syrien, Palästina, Aegypten und an der nordafrikanischen Küste entstanden im 4. und 5. Jahrhundert solche Basiliken; die Form verbreitete sich aber auch weiter nach Osten über Persien bis nach Indien.

Syrische Basiliken. Eine bemerkenswerte Ausbildung erfuhr die Basilika in Syrien, wo sich zahlreiche ganz hervorragende Bauwerke fanden, welche an die besten Schöpfungen der Antike erinnern. Dazu trug nicht zum wenigsten bei die ausschließliche Verwendung des Hausteines und zwar in sorgfältiger Bearbeitung. Die heute noch wohlerhaltenen Denkmale stammen - bei vielen ist das Entstehungsjahr angegeben - aus der Zeit von 130 bis 565 n. Chr. Damals war Syrien ein reichbevölkertes und blühendes Land, bis der Einbruch der islamitischen Scharen es veröden machte.

Auch hier herrscht die Basilikaform vor, doch treten im Süden auch Kuppelbauten auf, und zwar erscheint, da rechtwinklige Räume zu bedecken waren, die Kuppel auf Gewölbezwickel (Pendentifs) aufgesetzt, - eine Neuerung, die vielleicht hier ihren Ursprung hatte. Da auch die Decke aus Steinplatten gebildet wurde, so wurden über die Bögen meist noch Kragsteine gelegt, auch Pfeiler, sowie im Innern Strebepfeiler verwendet. Bei den Säulen ist auf den Knauf in der Regel noch ein Aufsatzstein (Kämpfer) aufgelagert; der Knauf zeigt im Allgemeinen die korinthische Form, doch in mannigfacher Umbildung. Im ganzen zeugen diese syrischen Bauten von einer selbständigen Entwicklung des Stils, der zwar auf den antiken Formen beruht, diese aber frei und verständnisvoll umgestaltet hat.

Die Bauten in Ravenna. Eine gleiche selbständige Eigenart weisen die Bauten der adriatischen Küstenlandschaft auf, vor allem jene in Ravenna, welches ja im 5. Jahrhundert Sitz der weströmischen Herrscher und im 6. Jahrhundert der byzantinischen Statthalter war. Ihre Glanzzeit hatte die Stadt unter dem Ostgotenkönig Theodorich d. Großen (seit 493). Hier standen nicht wie in Rom alte Bauten zur Verfügung, die man plündern konnte, auch machte sich der oströmische - griechisch-byzantinische - Einfluß geltend. Vor allem sind die Säulen bemerkenswert, deren Knauf entweder die korinthische und römische Form mit einer freieren Behandlung des Blattwerks, oder die byzantinische Art, eine eigentümliche glockenförmige Gestaltung mit verschlungenen Ranken und gezahnten Blättern zeigt.

Stets findet sich hier der würfelförmige Aufsatz, (wie er schon bei den syrischen Säulen erwähnt wurde), welcher dem Knaufe aufruhend den Bogen trägt.

Dadurch erschien der Rundbogen überhöht und das Ganze machte den Eindruck größerer Leichtigkeit.

Auch das Aeußere der Basiliken wurde gefälliger gestaltet, indem man die Mauern mit Wandstreifen (Lisenen) versah, und diese durch Blendbögen verband. Dieser Bauform begeg-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 203. Kirche zu Turmanin in Syrien.]