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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Altchristliche Kunst

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Altchristliche Kunst.

Auch in dieser Hinsicht bilden Ravenna und Syrien eine Ausnahme, wo man bei Friesen, Pfeilerknäufen und Thürpfosten einige besondere Formen der Verzierung trifft. Dazu gehören im Ravennatischen die Verwendung des Schilfblattes und des Zickzacks, der Herzform, vor allem aber das sogenannte "Zangenornament"; reicher gestaltet erscheinen die syrischen Friese, bei denen mit naturalistischem Laubwerk auch Kreuze, Vasen, Pfauen u. s. w. verbunden wurden, daneben auch geometrische Muster, verschlungene Kreise und Schneckenlinien auftreten.

Gräber. In der altchristlichen Kunst spielen noch die Gräber eine bedeutsame Rolle. Die christliche Lehre von der Auferstehung des Fleisches - also des Wiedererscheinens des Menschen in ihrer körperlichen Gestalt - brachte es mit sich, daß man von der Sitte der Leichenverbrennung abkam und zur Bestattung zurückkehrte. Eigene Grabmalsbauten trifft man freilich erst in späterer Zeit und da selten, da ja die Errichtung solcher nur fürstlichen und vornehmen Personen möglich war. Auch diese zogen aber die Errichtung von Grabkirchen vor, damit der Leichnam an geweihter Stätte, dem heiligen Altar so nahe wie möglich ruhe.

Eine derartige bevorzugte Ruhestätte war schon in der frühesten Zeit jenen zuteil geworden, welche sich um das Christentum besondere Verdienste erworben hatten, also namentlich den Blutzeugen, den Märtyrern. Es kam die Gepflogenheit auf, den Altar über dem Grabe eines solchen Märtyrers zu errichten, die sich später dahin umwandelte, daß man die Gebeine von Heiligen in die Kirchen verbrachte und unter den Altären beisetzte.

Bestattungswesen. Die christliche Bestattungsweise bedingte nun manche Abänderungen hinsichtlich der Begräbnisstätten in jenen Gebieten, wo sonst die Leichenverbrennung üblich war. Im Altertum war das Begräbniswesen Angelegenheit der Familie im weitesten Sinne, also der Sippe oder des Geschlechts; es finden sich daher nur ausnahmsweise Einzelgräber, die Regel sind Familiengräber oder Begräbnisplätze für Geschlechter. In den großen Städten der späteren Zeit, in denen ja auch viele Zugewanderte lebten, die hier in keiner Geschlechtsverbindung standen, bildeten sich zunächst aus letzteren Begräbnisgesellschaften, die für ihre Genossen eine Stätte anlegten. Diese Einrichtung wurde - sozusagen mit innerer Notwendigkeit - von den Christen übernommen, da ja bei ihnen die Zugehörigkeit zur Gemeinde über der Verwandtschaft stand.

Katakomben. In Rom, aber auch an anderen Orten, führte dies zu der Anlage der unterirdischen "Katakomben" (die ursprüngliche Bezeichnung ist coemeterium), was durch die örtlichen Verhältnisse bedingt war. Auch die heidnische Bevölkerung Roms hatte ja solche unterirdische Grabanlagen, - Columbarien

^[Abb.: Fig. 207. San Vitale in Ravenna.]