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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Byzantinische Kunst

205 ^[Seitenzahl nicht im Original]

Byzantinische Kunst.

Die Kunst im Osten. In den vorstehenden Ausführungen wurden hauptsächlich die Kunstzustände im Westen - dem italischen Kulturkreis - berücksichtigt, mit denen im großen und ganzen bis zum 6. Jahrhundert auch jene des Ostens übereinstimmen. Um diese Zeit begann jedoch eine schärfere Scheidung der beiden Kulturkreise. Während auf italischem Boden unter der langobardischen Herrschaft auch die altchristliche Kunst verfiel, dagegen im Norden auf die Keime einer neuen Entwicklung befruchtend wirkte, fand sie ihre eigentliche Fortbildung im byzantinischen Reiche, und die hier gewonnene Eigenart wurde für lange Zeit und weite Gebiete bestimmend.

Christliche und islamitische Kunst. Diese morgenländische Kunst spaltet sich schon im 6. Jahrhundert in zwei Richtungen; die christliche - kurzweg die "byzantinische" genannt - und die islamitische, jede findet ihre Verbreitung mit der betreffenden Religion, von der sie völlig abhängig bleibt. Beiden gemeinsam ist das baldige Erstarren, der Mangel jeder fortschrittlichen Weiterentwicklung, die Vernachlässigung der Bildnerei und Malerei. Die byzantinische Kunstrichtung hat sich daher bei den Völkern des griechischen Bekenntnisses in Südost- und Osteuropa bis in unsere Zeit fast unverändert erhalten, und das Gleiche gilt von der islamitischen, welche in West- und Mittelasien sowie in Nordafrika herrschend wurde, zeitweilig auch nach der spanischen Halbinsel sich verbreitete.

Zustände im oströmischen Reiche. Im oströmischen Reiche hatten Staat und Kirche völlig die morgenländische Art angenommen, welche alle Lebendigkeit, Freiheit und Innerlichkeit unterdrückte. Die unumschränkte Gewaltherrschaft der Kaiser, die mit ihrer Beamtenschaft auch die geringfügigsten Dinge im Staate regelten und sich bei Lebzeiten schon "vergöttern" ließen, gestattete nicht die geringste selbständige Regung des Volksgeistes. In der griechischen Kirche ging alles innerliche Leben verloren, und statt freier Sittlichkeit wurde nur strenge Beachtung des äußerlichen Formelwesens gefordert; dazu kamen die Grübeleien und Deutereien der "Philosophen" und Stifter der zahlreichen Glaubensparteien, welche den wahren christlichen Geist förmlich ertöteten. Sklavische Unterwürfigkeit und grausame Härte, Genußsucht und heuchlerische Verschlagenheit, Mangel jedes sittlichen Empfindens kennzeichnen die "byzantinische" Gesellschaft, deren Verderbtheit auch die naturfrischen Völker ergriff, die in ihren Bereich gelangten. Wohl zeigte sich eine ähnliche Verderbnis gleichzeitig auch auf abendländischem Boden und die ersten germanischen Völker gingen an ihr zu Grunde; hier aber traten zum Glück neue an deren Stelle, deren innere Völkerkraft stark genug war, die Verderbtheit zu überwinden, was bei den - meist slavischen - Stämmen des Ostens nicht der Fall war. In einer solchen Gesellschaft ohne sittlichen Geist und inneres Leben war eine gedeihliche Weiterentwicklung der Kunst nicht möglich.

Eigenart der byzantinischen Kunst. Die byzantinische Kunst bleibt also völlig in den Bahnen der altchristlichen, und bringt nur in wenigen Einzelheiten noch etwas neues bei durch Aufnahme rein morgenländischer Einflüsse, um so schärfer bildet sie gerade jene Eigenheiten aus, welche als Mängel der altchristlichen Richtung erscheinen.

Die Abneigung gegen die Bildnerei geht fast bis zur völligen Verwerfung dieser Kunstart. Da man im Osten an allen Ueberlieferungen als etwas Unantastbarem strenge