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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Islamitische Kunst

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Islamitische Kunst.

gestaltung erfahren. Als Besonderheit erscheint nur der hohe Gebetsturm, Minaret, der eigentlich nur eine ummauerte Treppe zu der Plattform darstellt, von welcher aus die Gebetsstunden ausgerufen werden.

Die Bedeutung der einzelnen Teile für die Fügung des Ganzen zu erkennen, oder daß der Baustoff auch die Form bedinge, dafür fehlt das Verständnis, auch auf schöne Maßverhältnisse wird nicht immer Gewicht gelegt; der malerische Eindruck ist die Hauptsache und daher werden die Bauten überreich mit Zierwerk ausgestattet.

Anlage der Bauten. Hinsichtlich der Einzelheiten kann ich mich auf einige Bemerkungen beschränken. In der Grundanlage der Moscheen herrschen zwei Formen vor.

Die eine besteht in einem viereckigen Hofe, der ringsum von bedeckten Säulenhallen umgeben ist und in der Mitte einen Brunnen enthält. Aus einer der vier Seiten wird die Halle durch vermehrte Säulenreihen zur eigentlichen Gebetshalle vergrößert. Die andere Form lehnt sich an den byzantinischen Kuppelbau an: einem Vorhof, der hier niemals fehlt, schließt sich eine Thorhalle und an diese der Hauptbau an, dessen Mittelraum mit einer großen Kuppel überwölbt ist, während die Seitenräume entweder durch einfache Gewölbe oder kleinere Kuppeln überdeckt werden. Eine übersichtliche Anordnung und Gliederung der Räume ist aber selten zu finden.

Gewölbe. Bei den Wölbungen begegnen wir einer wunderlichen, der islamitischen Bauweise eigentümlichen Form, welche als "Stalaktiten- (Tropfstein-) Gewölbe" bezeichnet wird. Sie besteht darin, daß kleine Kuppelstückchen (aus Gips) wie Bienenwaben zusammengesetzt werden, deren Ecken und Spitzen vorspringen, so daß es in der That aussieht, als ob lauter Tropfen von dem Gewölbe herabhingen. Durch Bemalung und Vergoldung wird der seltsame Eindruck noch verstärkt.

^[Abb.: Fig. 226. Tadsch-Mahal bei Agra.

(Nach Schlagintweit: Indien.)]