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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

222 ^[Seitenzahl nicht im Original]

Germanische Kunst.

a. Karolingische Zeit.

Römer. Um die Zeit vor Christi Geburt hatten die Römer ihre Herrschaft nach Norden über Mitteleuropa auszudehnen begonnen, die britischen Inseln, das heutige Frankreich, die Rhein-, Donau- und Alpen-Landschaften gerieten unter ihre Gewalt. Im Laufe von drei Jahrhunderten wurde das ursprüngliche Volkstum dieser Gebiete umgestaltet, es wurde "verwälscht". Wohlgemerkt, es fand nicht eine Blutsvermischung zweier Völkerstämme statt, sondern nur eine Umgestaltung des unterworfenen Volkstums durch allmähliche Aufnahme von Recht, Sitte und Sprache des herrschenden. Die "echten Römer", d. h. Italiker, welche sich unter den Kelten und Germanen niederließen, waren verschwindend an Zahl; sie kamen als "Beamte" und "Unternehmer" - wie etwa in unserer Zeit Engländer nach Indien, - und selbst unter diesen römischen Beamten waren viele, die aus anderem Volke stammten. Noch mehr galt letzteres von den "Veteranen", den ausgedienten Soldaten, welche Ländereien erhielten und sich unter der Urbevölkerung niederließen. Man kann sich vielleicht am besten die damaligen Verhältnisse in diesen Gebieten vorstellen, wenn man sie mit den heutigen Zuständen im Spreewalde, in Kurland und ähnlichen Gegenden vergleicht. Die römische Kultur "herrschte", aber sie durchdrang eben nur die herrschenden Klassen, in den unteren Schichten blieb von der ursprünglichen völkischen Eigenart das meiste bewahrt. Andererseits wurden durch den Handelsverkehr römische Kultureinflüsse auch jenseits der Reichsgrenzen verbreitet.

Dort im hohen Norden und Osten hatten von je her Völkerbewegungen stattgefunden, deren Ausläufer man zeitweilig auch im Süden verspürte, wenn wandernde Stämme einbrachen. Eine solche kündigte sich schon im 3. Jahrhundert n. Chr. an, und in der zweiten Hälfte des 4. war sie zu einer "Gefahr" für das römische Weltreich geworden, welches nicht mehr im stande war, sich völlig ihrer zu erwehren.

Germanen. Damals saßen von der Nordsee bis zum Schwarzen Meere germanische Völker - dazwischen eingesprengt auch einige andere Stämme -, die nun West- und südwärts vordrangen. Das oströmische Reich widerstand dem Anprall besser, das weströmische wurde von den Germanen überflutet, die Ende des 5. Jahrhunderts "Herren" des ganzen Gebietes wurden. Dabei trat jedoch die merkwürdige Erscheinung ein, daß im Süden die germanischen Sieger nicht - wie die Römer es vermocht hatten - den Unterworfenen ihre Eigenart aufprägten, sondern vielmehr selbst diese verloren und allmählich "verwälscht" wurden. Nur im Norden, auf dem ureignen Boden, erhielt sich der germanische Volksgeist.

Es ergiebt sich daraus von selbst, daß die Germanen auf die Kunstentwicklung zunächst keinen bestimmenden Einfluß nahmen und in dem Abschnitte über die altchristliche Kunst wurde denn auch gezeigt, daß diese nur ein Ausläufer der antiken war. Dennoch macht sich schon im 7. Jahrhundert in gewissen Einzelheiten das Eindringen des germanischen Geistes bemerkbar, wie man dies bei verschiedenen Werken im langobardischen Machtbereich beobachten kann.

Germanische Kunstfertigkeit. Zur Zeit der Völkerwanderung standen die Germanen auf einer Kulturstufe, welche früher vielfach zu niedrig eingeschätzt wurde, da man der