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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

"Unterordnung" abzufinden, um wenigstens in beschränktem Maße die persönliche Freiheit gegenüber den Gewalten zur Geltung zu bringen. Dies geschah durch den Zusammenschluß der Einzelnen zu "Körperschaften", in denen jedoch wieder ein Widerspruch insofern sich geltend machte, als der Einzelne hier wirklich noch strenger gebunden wurde. - Wir sehen somit, wie alles mittelalterliche Wesen in sich den Grund zu Widerstreit und Gegensätzen trägt, und diese treten auch im ganzen Leben zu Tage. Aufopfernde Nächstenliebe und rücksichtslose Vergewaltigung der Mitmenschen, hingebende Treue und schnödeste Eigensucht, gehorsamer Glaube und Sittenlosigkeit finden sich oft bei den Einzelnen unvermittelt nebeneinander.

Das geistige Leben krankte an einem anderen Widerspruch. Man versuchte, die "Glaubenssätze" aus der "Vernunft" zu begründen, was an und für sich ein Widersinn ist. Denn der Glaube setzt ja voraus, daß die "Wahrheit unumstößlich gegeben" ist, und somit bedarf sie keines Beweises. Die "scholastische" Philosophie des Mittelalters erschöpfte sich daher in unfruchtbaren Wortstreitigkeiten und förderte ebenso wenig die Erkenntnis, wie ihre Gegner, die "Mystiker", welche das Erfassen der Wahrheit nicht durch den Verstand, sondern durch das Gemüt anstrebten. Bis zum 14. Jahrhundert kam man denn auch hinsichtlich der wissenschaftlichen Kenntnisse nicht über den Stand der Antike hinaus, da man sich mit der Erforschung der Natur und ihrer Erscheinungen nicht abgab.

Die Natur, wie alles Körperliche, galt ja als sündhaft, mit dem man sich nicht beschäftigen solle; die "Seele" war die ausschließliche Hauptsache, und nur das Geistige

^[Abb.: Fig. 239. Der Dom zu Worms.]