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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

hatte Wert. Auch diese Ertötung des Sinnes und Gefühles für die Natur stand mit dem germanischen Volksgeiste in Widerspruch.

Gerade diese Gegensätze und Widersprüche erzeugten aber eine erstaunliche Fülle von Gedanken und Empfindungen, die zwar vielfach unklar und verworren, aber von einer mächtigen Frische waren und einer gewissen Erhabenheit nicht entbehrten. Diese zum Ausdrucke zu bringen, hatte die mittelalterliche Kunst sich redlich bemüht, wenn sie auch oft nicht die richtige Form dafür finden konnte, da das Wollen stärker war, als das Können. Dieser "Widerspruch" prägt sich denn auch in der Kunst des 10. bis 14. Jahrhunderts aus.

Das Wesen des romanischen Stiles. Die Bezeichnung "romanischer Stil" ist im Grunde nur für die Baukunst zutreffend, während man bei der Bildnerei und Malerei von einem solchen in der eigentlichen Bedeutung des Wortes nicht sprechen kann. Da jedoch die Baukunst vorherrschend auftritt und alle anderen Künste in den Hintergrund und gewissermaßen in ihren Dienst drängt, so erscheint es gerechtfertigt, von einem Zeitalter des romanischen Stiles zu sprechen. Das Wort "romanisch" dagegen wäre eigentlich nicht gerechtfertigt, denn gerade die Kunstweise, die damit bezeichnet wird, ist ganz von germanischem Geiste erfüllt und hat ihre vollendetste Ausbildung auf deutschem Boden erfahren. Seltsamerweise hat man jenen späteren Stil, der seine Entstehung in Frankreich hatte und, wenn auch aus dem Geiste des germanischen Grundteils im französischen Volkstum hervorgegangen, doch nicht mehr von rein germanischer Eigenart ist, den "gotischen" genannt und so die Meinung hervorgerufen, derselbe sei der eigentlich altdeutsche. Allerdings hat auch der gotische Stil bei den Deutschen seine schönste Entwicklung gefunden, aber wirklich "altdeutsch" ist der romanische Stil. Es läßt sich auch genau verfolgen, wie Geltung und Entwicklung desselben bei den verschiedenen Völkern von dem Maße abhängt, in welchem der germanische Grundbestandteil bei diesen hervortritt.

Entwicklung des romanischen Stiles. Dem allgemeinen Entwicklungsgesetze zufolge, daß jedes Kulturvolk bis zu einem gewissen Umfange die Erbschaft einer früheren Zeit antreten muß, ist es selbstverständlich, daß die germanische Kunstweise an die antike

^[Abb.: Fig. 240. Der Dom zu Mainz.

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