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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

Kirche zu Borgund. Die seltsame, doch äußerst malerische Abwandlung und Mischung mit nordischen Eigenheiten, die der romanische Stil in Skandinavien erfuhr, zeigt Fig. 248, die eine der am besten erhaltenen (auf S. 254 erwähnten) norwegischen Holzkirchen darstellt, welche wahrscheinlich noch aus dem 11. Jahrhundert stammt.

Hauptkirche zu Autun und Notre dame zu Poitiers. Da im romanischen Zeitalter die französische Baukunst weniger bedeutsam ist, so dürfte es genügen, an zwei Beispielen die reiche Ausgestaltung der Einzelheiten, wie sie in Frankreich beliebt war, zu zeigen. Bei der Hauptkirche zu Autun, entstanden 1132, besitzt das Portal (Fig. 249) zwar reichen, bildnerischen Schmuck, doch überwuchert dieser noch nicht die Bauformen. Dagegen erscheint die Schauseite von Notre dame in Poitiers mit bildnerischen Darstellungen und sonstigem Zierwerk fast überladen. Es ist dies eine Eigentümlichkeit der südländischen Gruppe Frankreichs.

Dom zu Pisa. In Italien bildete sich der romanische Stil in einer anderen Weise aus, als in Deutschland. Bei der Betrachtung des Hauptwerkes, des Domes zu Pisa (S. 245), fällt diese Verschiedenheit sofort auf, selbst wenn man von dem Fehlen der Türme ganz absieht. Das Streben der italienischen Künstler war offenbar nicht darauf gerichtet, durch die Anordnung der Massen eine prächtige Wirkung zu erzielen, sondern vor allem einen Prachtbau zu schaffen, der durch Schmuckreichtum Eindruck macht. Die Vorderseite ist mit Ausnahme des unteren Geschosses ganz in Bogengänge aufgelöst. Pfeiler und Säulen, durch Bogen verbunden, schmücken auch das Untergeschoß und die einfacher gehaltenen Längsmauern. Die Anlage der Kirche ist sehr einfach in Gestalt eines lateinischen Kreuzes, dessen hinterer Arm durch den runden Chor und dessen Seitenarme durch gleichfalls runde Nischen abgeschlossen sind. Ueber der Stelle, wo sich das fünfschiffige Längsschiff mit dem dreischiffigen Querschiff schneidet, erhebt sich eine Kuppel mit ovalem Umriß, die Galerie unter ihrem Dache ist eine spätere Zuthat. Der berühmte "schiefe" Turm, der getrennt vom Dome steht, ist wie die Vorderseite des letzteren mit rings herum sich ziehenden Bogengängen geschmückt. Säulen, Kapitäle und Bogen sind ganz nach antiker Weise gebildet, nur an dem Glockenturme tritt das romanische Blätterkapitäl häufiger auf.