Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

267

Germanische Kunst.

Inhalt der Darstellungen. Selbstverständlich wird immer ein religiöser Gedanke zu Grunde gelegt, vor allem jener vom Sündenfall und der Erlösung durch den Opfertod des Heilands, der ja den Hauptinhalt der christlichen Lehre bildet. Weltliche Vorgänge sind in dieser Zeit nur äußerst selten Gegenstand der Künste, wohl aber werden weltliche Dinge in Beziehung zu den religiösen Gedanken gebracht und dann sinnbildlich dargestellt. Tugenden, Laster, die Wissenschaften, Berufsarten, selbst auch Naturerscheinungen und Wesen, wie Jahreszeiten, Flüsse, Himmelskörper u. s. w. werden in sinnbildlichen Gestalten verkörpert. Hierbei ist der Einbildungskraft und Erfindungsgabe ein ziemlicher Spielraum gelassen. Freilich bildet sich bald eine bestimmte Ueberlieferung für die Anwendung gewisser Formen aus, deren Bedeutung dadurch allgemeiner verständlich wird. Die Künstler benutzen dabei ebensowohl Vorbilder, die aus dem antiken Gestaltenkreis entnommen sind - Satyre, Kentauren, und andere Fabelwesen - wie auch die in der germanischen Dichtung eine große Rolle spielenden Tiergestalten. Was jene Zeit an gelehrten Anschauungen und Kenntnissen von der Natur und der Vergangenheit besaß, wird verwertet, um in sinnbildlichen Bildreihen die großen religiösen Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Kurz zusammenfassen läßt sich das Vorstehende in den Sätzen: Das Hauptgewicht liegt auf dem gedanklichen Inhalt, der religiöser Natur ist und in der Regel zum Ausdruck gebracht wird in zusammenhängenden Bildreihen, bei welchen sinnbildliche Darstellungen eine große Rolle spielen; das Ganze unterordnet sich vollständig dem Bauwerke und paßt sich dessen Verhältnissen auch in der Formgebung an; die Formen selbst sind anfänglich noch streng und vielfach durch Herkommen gebunden. Schließlich mag noch bemerkt werden, daß die Flachbildnerei zuerst überwiegt, bald aber das Rundbild zu ausgedehnter Verwendung gelangt; ebenso auch anfänglich der Erzguß bevorzugt wird, und endlich in diesem Zeitraum bereits die Persönlichkeit der Künstler in der Eigenart der Werke zum Ausdruck gelangt.

Die Bildnerei in Deutschland. In Deutschland finden wir die Anfänge einer großzügigen Bildnerei auf sächsischem Boden, und zwar knüpfen sich dieselben an die Persönlichkeit

^[Abb.: Fig. 273. Tanz der Salome, Miniatur aus dem Evangelarium Bambergense.]