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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

deutsche Priester Theophilus im 12. Jahrhundert. Auf deutschem Boden sind die ältesten erhaltenen Werke die Glasfenster im Dome zu Augsburg, die dem 11. Jahrhundert angehören dürften. Richtig ist es allerdings, daß in Nordfrankreich die Glasmalerei eine viel ausgedehntere Anwendung fand und daher auch zu besseren Leistungen gelangte. In Südfrankreich und Italien kommt sie in diesem Zeitraume nicht vor; hier machte sich ja auch das Bedürfnis, die Fensteröffnungen fest zu verschließen, nicht so stark geltend, wie in dem kalten Norden.

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Malerei. Was nun die eigentliche Malerei betrifft, so kann ich mich auf wenige Bemerkungen beschränken, da diese Kunst im romanischen Zeitalter keine sonderlichen Fortschritte zeigt, andrerseits auch nur wenige Werke vorhanden sind. Wir können die Malweise fast nur nach den Miniaturen beurteilen, denn die großen Wandgemälde sind meist untergegangen und die Tafelmalerei wurde noch verhältnismäßig wenig geübt.

Die Handschriftenmalerei - Miniaturen - fand auch nur im Norden eine sorgfältige Pflege, vor allem in Deutschland, dann in England, in minderem Grade in Frankreich. Im Allgemeinen schließt sie sich an den Stil der altchristlichen und karolingischen Zeit an, und erreichte auf deutschem Boden ihre Blüte im 10. Jahrhundert; dann begann man mehr byzantinische Muster nachzuahmen und dabei ging viel von der frischen Ursprünglichkeit verloren. Zu Ende des 11. Jahrhunderts regt sich zwar wieder der selbständige germanische Kunstgeist, aber die Leistungen stehen hinter jenen der älteren Zeit zurück. In England blieb der Stil des vorhergegangenen Zeitraums auch jetzt noch maßgebend.

Wandgemälde waren, wie urkundliche Berichte lehren, ungemein zahlreich und fast alle bedeutenderen Kirchen mochten mit solchen geschmückt gewesen sein. Leider sind nur spärliche Zeugnisse dieser Art vorhanden; in der Stiftskirche St. Georg zu Oberzell (auf der Insel Reichenau im Bodensee), in der Kirche auf dem Nonnberge zu Salzburg und im Münster zu Soest finden sich solche. Auch in diesen Wandgemälden sehen wir eine Fortbildung des altchristlichen und karolingischen Stils; die Körper sind schlank gebildet, einzelne Teile fast zierlich, die Haltung ist ernst und würdevoll; die Zeichnung im ganzen natürlich, die Farben meist sehr licht.

Mosaikkunst. Die Wandmalerei Italiens unterlag weit mehr dem byzantinischen Einfluß, dürfte überhaupt unbedeutender gewesen sein, denn hier überwog die Mosaikkunst. Die einheimische Fertigkeit in diesem Zweige scheint im 10. Jahrhundert verloren gegangen zu sein, denn als der Abt Desiderius von Monte Cassino eine neue Klosterkirche erbaute (1066 bis 1071), ließ er aus Byzanz Werkmeister für die Herstellung der Mosaiken kommen. Dieser Abt errichtete in Monte Cassino auch eine Kunstschule für alle Arbeiten in Metall, Stein, Glas und Elfenbein, welche wohl von nachhaltigem Einflusse gewesen sein mag. Von den Griechen lernte man vor allem wieder die Arbeitsfertigkeit, folgte auch in Zeichnung und Farbengebung vielfach ihren Mustern, ohne jedoch ganz die heimische, antike und altchristliche Ueberlieferung aufzugeben, so daß die Mosaiken des 12. Jahrhunderts einen lateinisch-byzantinischen Mischstil zeigen. Zu den vorzüglichsten Werken, die durch Feinheit in der Farbengebung und Schönheit der Zeichnung hervorragen, gehören die Arbeiten der römischen Steinmetzfamilie Cosma, die im 13. Jahrhundert thätig war, und zwar als Baumeister, Bildner und Mosaikarbeiter. (Sie ist nachweisbar von 1205-1304.)

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Besprechung der Abbildungen. Den Stand der deutschen Bildnerei zu Beginn ihrer eigentlichen Entwicklung zeigen die Abbildungen Fig. 258, 259 und 263a. Das merkwürdigste Werk der Frühzeit ist das Flachbild der Kreuzabnahme von den Externsteinen, das fast ein Jahrhundert (1115) später entstand, als die Werke Bernwards von Hildesheim, welche auf das Studium antiker Vorbilder schließen lassen. Bei den Darstellungen der Domthür liegt der Hauptreiz in der Lebendigkeit der Bewegungen, dagegen fehlte dem