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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

Schweden und Norwegen. Mehr Eigentümlichkeit weisen die skandinavischen Reiche Norwegen und Schweden auf, wo sich deutsche und englische Einflüsse begegneten und auch die volkseigene Bauweise (- die bereits bei dem früheren Zeitraume erwähnten Stabkirchen -) sich in Geltung erhielt. In Norwegen folgte man mehr der englischen Richtung, - der Dom zu Dronthjem (1248-99) und die Königshalle in Bergen (1248-60) sind hervorzuheben - während in Schweden die deutsche überwog. Das bedeutsamste Werk ist hier der Dom zu Upsala (1260-1438).

Italien. Die vorurteilsfreie Aufnahme jedes verwendbaren Gedankens ist bei einem jugendfrischen Volksgeiste etwas natürliches; sie findet aber dort nicht statt, wo Ueberlieferungen eingewurzelt, sozusagen bodenständig sind. Dies war in Italien der Fall, wo die antike Kunst immer noch nachwirkte. Der germanische Bestandteil im italischen Volkstum war in diesem Zeitraume längst überwuchert, und letzteres fühlte sich als "römische" Nachkommenschaft dazu berechtigt, gleich den Vorfahren die Fremden als Barbaren stolz zu verachten. Daß die persönlichen Träger der allbeherrschenden Gewalt der Kirche vorwiegend italische Volksgenossen waren, trug nicht wenig dazu bei. Dem beweglichen südlichen Volksgeist fehlten aber auch jene beiden anderen germanischen Züge, die Gründlichkeit und Folgerichtigkeit in der Behandlung eines künstlerischen Gedankens; ihm lag mehr daran, unmittelbare Wirkung in leichtverständlicher, ausdrucksvoller Weise zu erzielen.

Darin ist der letzte Grund für die Erscheinung zu suchen, daß die gotische Richtung in Italien nur mit Widerstreben aufgenommen wurde und nicht Wurzel fassen konnte. Sie blieb etwas "Fremdes", ja wurde bald als "barbarisch" verschrieen. Die Bezeichnung "gotisch" stammt von den Italienern und sollte ein Schimpfname sein, da ihnen die Goten als die verhaßten Vertreter des Barbarentums galten, welches die römische Kultur zerstört hatte. - Noch einige andere, mehr äußerliche Umstände traten hinzu; in Italien war man

^[Abb.: Fig. 303. Inneres des Domes zu Köln.]