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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

die schmuckhafte Seite der neuen Bauweise. Die Spitzgiebel, die Fialen und Krabben, das Maßwerk, kurz, das anmutend Zierliche, erregten das Gefallen der Italiener, welche darin nur Mittel zur Steigerung der Prunkwirkung fanden.

Städte-Dome. Gleichwie die nordischen, suchten auch die italienischen Städte, welche Unabhängigkeit und Reichtum gewonnen hatten, ihre Macht sichtbar zum Ausdruck zu bringen durch prächtige Bauten, und die Bürgerschaften wetteiferten ehrgeizig, mit solchen ihre Nachbarn und Nebenbuhler zu übertreffen. Diese Prahlsucht, wie man es nennen könnte, ergriff selbst auch kleinere Städte, welche schwere Opfer nicht scheuten, um ebenfalls mit einem großartigen Bau prunken zu können. Darum trifft man in abgeschiedenen, halbverschollenen Bergorten oft herrliche Dome, die mit der heutigen Verkehrsstille und Aermlichkeit einen seltsamen Gegensatz, für die Bewohner aber eine Quelle freudigen Stolzes und Ersatz für die bescheidenen Verhältnisse der Gegenwart bilden.

Siena. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erscheint als die mächtigste Landstadt Mittelitaliens Siena, damals selbst den Seehandelsplätzen an Reichtum und Kraft ebenbürtig, dem nachbarlichen Florenz überlegen. Hier ist eine der wichtigsten Stätten der Kunstentwicklung; und eine - freilich nur kurze - Zeit hatte es die führende Stelle inne. - Die Bürgerschaft Sienas hatte schon vor 1250 den Umbau des alten Domes begonnen, 1260 wurde ein neuer Plan angenommen, 1264 war die Kuppel vollendet und man begann mit der inneren Ausschmückung. Im Jahre 1284 hatte man Giovanni Pisano berufen und mit der Ausführung der Stirnseite betraut, welche nach seinen Entwürfen begonnen, aber erst nach 1380 vollendet wurde. Diese Stirnseite gilt als die prächtigste und schmuckreichste Schöpfung der italienischen Gotik; im Innern zeigt der Dom eine Mischung romanischer (rundbogiger) mit gotischen Formen. Auch die Eingänge haben noch Rundbogen, über welche gotische Ziergiebel (Wimperge) aufsteigen. Wie wenig man auf den inneren Zusammenhang der Schmuckformen mit der Baufügung achtete, erhellt daraus, daß der Oberteil der Schauseite drei Giebel enthält, diese aber keineswegs den Abschluß der Dächer darstellen. Schichten aus weißem, rotem und schwarzem Marmor lassen das Aeußere wie das Innere gestreift erscheinen und bringen ebenso wohl die Vorliebe für Farbe, wie jene für die wagerechten Linien zur Geltung.

^[Abb.: Fig. 305. Der Dom zu Meißen.

Blick auf die Schauseite des Seitenschiffes mit vorgebauter Kapelle.]