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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

bilden zu den hier notwendigerweise starken wagerechten Gliederungen das Gegengewicht. Die Entstehung des Rathauses fällt in die Jahre 1448 bis 1463, also in die Spätzeit des gotischen Stiles.

Hauptkirche zu Canterbury. Dieselbe Massigkeit, die den frühgotischen Bauten Frankreichs eigentümlich ist, finden wir auch an dem frühesten gotischen Bauwerk in England, der Hauptkirche zu Canterbury, über deren Entstehung und Bedeutung schon auf S. 300 Näheres gesagt wurde. Die Abbildung läßt die Ausgestaltung der Längsseiten, die hier sehr einfach ist, und die Anlage der Strebepfeiler und Bogen erkennen. Der englischen Gotik eigentümlich ist die Beibehaltung des Turmes über der Vierung bei diesem wie auch den anderen hier abgebildeten Beispielen. Das Innere zeigt eine durch die lange Bauzeit begründete große Verschiedenheit der Formen, doch hat diese bei den älteren Teilen auch ihre Ursache in dem Festhalten an der örtlichen Geschmacksrichtung, die nicht gleich völlig überwunden werden konnte. Die Abbildung Fig. 290 bietet die Innenansicht des Chores, der um das Jahr 1175 von Wilhelm von Sens begonnen wurde. Als Stützen wechseln eckige und runde Pfeiler, auch wurden einzelne Pfeiler mit schlanken Säulen umstellt.

Hauptkirche zu Salisbury. Der frühenglische Stil erscheint am reinsten in der Hauptkirche zu Salisbury (Fig. 291). Wagerechte und senkrechte Gliederungen halten sich fast das Gleichgewicht und die gotischen Formen sind eigentlich ohne Beziehung zum Grundgedanken als bloßer Aufputz verwendet. Der Turm - wieder über der Vierung - steigt ohne Abstufung bis zum Beginn des sehr hohen Daches auf. An der Vorderseite erheben sich nur zwei etwas vorspringende Ecktürme (mit den Treppen im Innern), die nur wenig höher als der Giebel sind. Der allgemeine Eindruck läßt ziemlich kühl; die Absicht, die Gliederung möglichst klar zu gestalten, hinderte jeden höheren Schwung in der Ausführung.

Hauptkirche zu Lichfield. Auch bei dem Beispiel für den "verzierten Stil", der Hauptkirche zu Lichfield, kann der reiche Schmuck, der wie aufgeklebt und nicht organisch mit den Bauteilen verbunden erscheint, den Eindruck der Nüchternheit nicht ganz verwischen, der sich beim Vergleich mit französischen und deutschen Bauten unwillkürlich

^[Abb.: Fig. 316. Der Dom zu Orvieto.]