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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst

Chor der Kathedrale von Leon (begonnen um 1258). Die Formen sind am Unterbau noch streng, werden später jedoch zierhafter. Der Chorabschluß ist fünfseitig und mit einem Kranz von fünf Kapellen umgeben, von denen drei hier sichtbar sind. Zwischen den Kapellen erheben sich die Strebepfeiler, die je zwei Strebebogen mit den Stützen der Chorwölbung verbinden.

Das nächste Beispiel (Fig. 297) zeigt die Ausgestaltung eines Portales von der als Vertreterin des spanischen Schmuckstiles geltenden Hauptkirche zu Barcelona (erbaut 1298 bis 1448). Während aber hier noch keine wesentlichen Abweichungen von den allgemeinen Formen zu finden sind, bietet der Hof von San Juan (Fig. 298) etwas eigenartig neues, das durch willkürliche Umgestaltung der gotischen Formen und Beimengung derselben mit maurischen entstanden ist.

Münster zu Straßburg. Das baugeschichtlich und künstlerisch gleich bedeutende Münster läßt in der Seitenansicht (Fig. 299) das Suchen nach neuen Ausdrucksmitteln sehr deutlich erkennen; die Chorseite und die Schauseiten des Querschiffes sind noch völlig romanisch erdacht (sie wurde 1176 begonnen), doch mischen sich schon gotische Einzelheiten hinein. Mit der Uebernahme des Weiterbaues durch Erwin von Steinbach traten dann die gotischen Formen - zunächst am Langhause - immer reiner auf, bis sie schließlich an der Schauseite zur schönsten Entwicklung gelangten. Die Schauseite begann Erwin 1277; französische Bauten sind wohl nur für die Anordnung der Hauptmassen vorbildlich gewesen. Pfeilerartige Vorsprünge gliedern die Schauseite in drei Teile und begleiten auch den Unterstock der Türme. Durch reiches Schmuckwerk aus dünnen Steinstäben und Maßwerk wird das Aeußere fast ganz überdeckt. Erwin förderte auch noch den Bau der beiden Türme bis zum zweiten Geschoß. Nach seinem Tode wurden durch ein eingefügtes Mauerstück (über der Fensterrose) die freistehenden Turmstümpfe verbunden und dadurch der Vorbau des Mittelschiffes unverhältnismäßig hoch. Gegen Ende des vierzehnten Jahrhunderts wurde dann der Turm, dessen Formen nicht zum übrigen Bau passen, aufgeführt und 1439 vollendet.

Dom zu Freiburg. Auch bei diesem handelte es sich darum, ältere romanische Teile (das Querschiff) mit den neu zu erbauenden schön zu verbinden. Vor dem Straßburger Münster hat aber der Freiburger Dom eine ziervollere Ausgestaltung der Längsseiten und vor allem den durchaus einheitlich erdachten und ausgeführten Turm voraus, welcher unter den gotischen der früheste (vollendet um 1300) und schönste Deutschlands ist. Er erhebt sich vor dem Mittelbau und enthält in seinem Unterstock das Portal; der Helm ist mit Maßwerk durchbrochen.

Der Dom zu Köln. Während bei den eben besprochenen Beispielen sich noch romanische Formen in die gotischen mischen, ist der Stil beim Dom zu Köln vollkommen rein und in strengster Befolgung des Grundgedankens des Aufwärtsstrebens durchgebildet. Alle wagerechten Gliederungen sind möglichst schwach gehalten, an Stelle des bei französischen Bauten und auch am Straßburger Münster verwendeten Rundfensters ist über dem Hauptportal ein großes Bogenfenster eingefügt. Die Gliederung der Hauptteile geschieht durch schmale, vorspringende Pfeiler, die mit Fialen und blindem Maßwerk geschmückt sind. Jeder Bogen an den Portalen wie an den Fenstern und den Schmuckteilen ist mit einem schlanken Spitzgiebel bekrönt. Einzelne kleinere Pfeiler sind nach Art der inneren Stützen gegliedert, die nicht durchbrochenen Mauerstellen mit Stab- und Maßwerk verziert. In der Abbildung erscheinen die Portale sehr klein und fast von den darüber

^[Abb.: Fig. 318. Der Glockenturm vom Dom zu Florenz.]