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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

doch sind die Einzelheiten sehr ziervoll ausgestaltet. Die Abbildungen geben die Ansicht des Mittelschlosses und eines Teiles des Hochmeisterhauses wieder.

Dom zu Kaschau. Dieser zählt zu den interessantesten gotischen Bauten, da an demselben eine Centralanlage beabsichtigt erscheint und zwar ganz nach Art der Liebfrauenkirche in Trier. Den Kern bildet ein hoher Kreuzbau, dessen Arme und zwar der westliche durch eine Vorhalle, der östliche durch eine Vorlage und den vieleckig abgeschlossenen Chor verlängert sind. Die Seitenschiffe sind daher nicht nur niedriger, sondern auch kürzer. Der Bau ist im Schmuckstil gehalten, wahrscheinlich wurde er um 1324 begonnen, angeblich von einem französischen Meister; insbesondere fällt der Chor durch seine schlanke und ziervolle Bildung auf. Nicht minder schmuckreich ist das Portal, eines der glänzendsten Werke der Gotik auf ungarischem Boden. (Fig. 311.)

S. Giovanni e Paolo in Venedig. Die Eigenart der italienischen Gotik ist schon in der allgemeinen Uebersicht ausführlich besprochen und dort ist auch auf die bedeutendsten Bauten hingewiesen worden. Es erübrigt daher nur, an den folgenden Beispielen noch auf einige bezeichnende Züge aufmerksam zu machen. Bei der Dominikanerkirche San Giovanni e Paolo (Fig. 312) treten die Unterschiede zwischen nordischer und italienischer Richtung deutlich hervor. Die Mauern sind noch massig, nur von kleinen Fenstern durchbrochen, die senkrechten Linien beherrschen keineswegs den Gesamteindruck, die Strebepfeiler sind schwach, Strebebogen fehlen ganz, die Schauseite ist überaus einfach und nur durch glatte Wandpfeiler gegliedert.

S. Maria Novella in Florenz. Dom in Perugia. Die Gestaltung des Innern italienischer Kirchen veranschaulichen die beiden Abbildungen (Fig. 313 und 314). Die Dominikanerkirche in Florenz zeichnet sich durch edle Raumverhältnisse aus, bemerkenswert ist, daß die Oberwand des Hauptschiffes nur durch kleine runde Fenster durchbrochen ist. Die Pfeiler bestehen aus einem viereckigen Kern mit abgestumpften Ecken, an dem vier Halbsäulen emporsteigen. Die Kapitäle sind reicher als im Norden und nach antiken Mustern gebildet.

Ging schon hier das Bestreben dahin, durch große Spannweite der Bogen bei mäßiger Scheitelhöhe lichte Weiträumigkeit zu erzielen, so ist dies noch mehr der Fall bei dem Dom von Perugia. Beachtenswert bei demselben sind die glatten sechskantigen Pfeiler, mit deren Einfachheit die reiche Ausschmückung der Gewölbegurten und Bogen in Gegensatz steht. Die Anordnung von zwei Reihen Fenster übereinander muß auch noch erwähnt werden.

Dom zu Siena. Auch bei diesem sind die Langseiten massig gehalten, nur durch schwache Strebepfeiler gegliedert und ziemlich schmucklos, um so reicher ist dafür die Schauseite verziert, in welcher die ganze Formenfülle der Gotik sich entfaltet. Sie erscheint auch mehr als selbständige Schöpfung, die dem Kirchenkörper nur vorgelegt ist; so ist der

^[Abb.: Fig. 322. Rathaus zu Perugia.]