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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

ist, werden die einheimischen oft seltsam und abenteuerlich verunstaltet. Bei allem Nebensächlichen - und dazu gehört, was nicht mit Geist und Seele unmittelbar zusammenhängt - tritt Unbestimmtheit der Formen hervor, weil man auf deren Richtigkeit keinen Wert legt. Die Vorliebe für Sinnbilder besteht fort, zu den aus der altchristlichen Zeit überlieferten kommen jetzt mancherlei neue hinzu, welche der vertieften religiösen Anschauung entsprechen. Der Aufschwung der Philosophie, deren mächtiger Einfluß auf allen Gebieten sich geltend macht, bringt es mit sich, daß die Darstellung der Begriffe in persönlichen Gestaltungen eine Hauptaufgabe der Künste wird, während diese in der früheren Zeit die möglichst klare, leichtverständliche Erzählung von Vorgängen war. Man steht nicht mehr auf dem Standpunkte, daß dem Volke die heilige Geschichte anschaulich vorgeführt werden solle, sondern der grübelnde Geist sucht den begrifflichen Gehalt der Lehre in Gestalten und Handlungen darzustellen. Von den einfachen Sinnbildern - "Symbolik" - schreitet man zur "Allegorie" - Verpersönlichung der Begriffe - fort.

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Bildnerei. Was nun die Bildwerke anbelangt, so ist auf deren Gebiete die Verschiedenheit zwischen dem Norden und Italien noch merklicher als in der Baukunst. Dort schließt sich die Bildnerei dem Stile der letzteren weit mehr an, im Süden geht sie eigene Wege, und die Zeit der "Gotik" ist hier eigentlich nur eine solche des Ueberganges von der verderbten

^[Abb.: Fig. 326. Goldene Pforte vom Dom zu Freiberg.]