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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

sich wieder am deutlichsten an den Grabbildwerken; die äußere Ebenbildlichkeit mag vielleicht größer sein, die Gewandung und Beiwerk sind naturgetreu, aber der lebendige Ausdruck der ganzen Persönlichkeit fehlt.

Bildnerei in Deutschland. Wenn in der französisch-niederländischen Gruppe die starke Anlehnung an die baukünstlerische Formengebung, in England das Betonen des Schmuckhaften und eine der Wirklichkeit sich nähernde Darstellungsweise die Bildnerei des gotischen Zeitraumes kennzeichnet, so hält sie in Deutschland einen Mittelweg ein und legt das Schwergewicht auf innere Wahrhaftigkeit und sinnfälligen Ausdruck der Lebendigkeit. Wohl läßt man anfänglich sich auch hier durch die baukünstlerische Formensprache beeinflussen; die Gestalten erscheinen in gerader, ruhiger Haltung und die Gewandlinien sind gleichlaufend mit jenen des Körpers; bald aber macht man sich von dieser Geradlinigkeit und Gleichmäßigkeit frei und bildet zunächst die Gewandung in bewegten Formen, - als ob sie aus leichten Stoffen bestände, welche im Luftzug sich falten und flattern - dann geht man noch weiter und giebt auch den Körpern gewellte Linien. Diese wellenförmig

^[Abb.: Fig. 329. Niccolo Pisano: Kanzel im Baptisterium zu Pisa.]