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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

trachtet, welches somit auch Uebereinstimmung erfordert. Es bleibt jedoch zunächst das Flächenhafte, so lange man noch nicht körperlich sehen und somit körperlich bilden kann; die Bilder sind "bemalte umrissene Flächen". Der nächste Fortschritt besteht darin, daß den gemalten Gegenständen durch bildnerische Zeichnung und Verteilung von Licht und Schatten auch ein körperlicher Ausdruck gegeben wird; sodann versucht man das Aeußere der Dinge durch die Farbe zur naturähnlichen Erscheinung zu bringen, und zuletzt geht man daran, auch das Innerliche auszudrücken. In dieser Hinsicht ist wieder die erste Stufe, daß man durch die Erfindung und Zusammenstellung des Bildinhaltes (Komposition) die Wirkung erzielen will, also auf die Farbenstimmung noch nicht das Hauptgewicht legt; letzteres geschieht auf der zweiten Stufe und damit wird die Malerei zur Farbendichtung, in welcher die Zeichnung eine ähnliche Rolle spielt, wie der Generalbaß in der Tondichtung, nämlich die Grundlage des Einklanges zu sein. Im romanischen Zeitalter finden wir die Malerei auf jener Stufe, auf welcher sie von der Flächenbemalung zum bildnerischen Ausdruck durch die Farbe fortschreitet. Die Lust an der Farbe äußerte sich auch in dem üblichen Bemalen der Bildnereiwerke, insbesondere der Holzschnitzereien, und dabei mochte sich auch allmählich die Erkenntnis aufdrängen, daß die Bildnerei, auch die farbige, nicht zu einer vollen malerischen Wirkung, d. h. zu einem wohlgefälligen Verhältnis zwischen Licht und Dunkel gelangen könne, weil bei ihr dieses Verhältnis von dem Wechsel der natürlichen Beleuchtung abhängig ist, welcher jeweils das Standbild ausgesetzt ist. Die Malerei dagegen ist in der Lage, ein bestimmtes Verhältnis zwischen Licht und Schattentönen festzuhalten, es von der äußeren Beleuchtung unabhängig zu machen und somit die beabsichtigte Stimmung unter allen Umständen zu erzeugen. Diese Erkenntnis mußte nun zu einer gründlicheren Beschäftigung mit den Ausdrucksmitteln der Malerei führen.

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Die "griechische" Malweise in Italien. In Italien hatte sich eine herkömmliche Malweise ausgebildet, welche schon die alten Kunstschriftsteller des 15. Jahrhunderts als

^[Abb.: Fig. 338. Giotto: Gastmahl des Herodes.

Florenz. Kapelle Peruzzi in St. Croce.]