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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

"griechische" - maniera greca - bezeichneten. Diese Benennung hat zu der mißverständlichen Auffassung geführt, als ob die italienische Malerei vor Giotto gänzlich von den Griechen oder Byzantinern abhängig gewesen sei, byzantinische Künstler zu Lehrmeistern gehabt hätte. Diese Ansicht fand eine Unterstützung in der Thatsache, daß die altitalienischen Bildwerke mit den byzantinischen in vielen Aeußerlichkeiten übereinstimmen. Solche augenfällige Merkzeichen sind beispielsweise der übliche Goldgrund, die standbildmäßige Haltung und Anordnung der Gestalten, deren Magerkeit und düstere Gesichtszüge, die gestrichelte Zeichnung der Gewandung, auch die schwere, dunkle Farbentönung.

Diese Verwandtschaft findet aber meines Erachtens ihre richtige Erklärung darin, daß die italienische wie die byzantinische Malweise auf der antik-altchristlichen beruhten. Hier wie dort hatte sich in gleicher Weise eine "Entartung" vollzogen. Die Bezeichnung "griechische Manier" ist ein Kennwort, ebenso wie "gotischer Stil"; die lebhaftere - fabriksmäßige - Malthätigkeit der Griechen, und weil in ihren Bildern die ganze Eigenart vielleicht schärfer zum Ausdruck kam, gaben wohl Anlaß dazu. Daß byzantinische Maler auch hier und da nach Italien gekommen sein mögen, braucht nicht geleugnet zu werden, aber bestimmenden Einfluß hatten sie nicht, und die altitalienische Malerei ist eine einheimische. Nur für Venedig ist eine unmittelbare Einwirkung griechischer Mosaik-Künstler anzunehmen.

Cimabue und Duccio di Buoninsegna. In dieser sogenannten "griechischen Weise" blieben die Maler des 13. Jahrhunderts befangen, obwohl in der zweiten Hälfte desselben kräftige Anläufe gemacht wurden, um die in herkömmlichen Formen erstarrte Kunst neu zu beleben.

Unter den Meistern, welche den Fortschritt anbahnten, indem sie ihren Gestalten einen freieren und natürlicheren Ausdruck, lebensvolle Bewegung und vor allem auch Schönheit zu verleihen suchten, ragen besonders zwei hervor: der Florentiner Cimabue (1240?-1302?) und der Sienese Duccio di Buoninsegna (1260?-1311?), welche bei ihren Zeitgenossen in hohem Rufe standen. Als diesen ebenbürtig wäre noch der Mosaik-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 339. Orcagna: Das jüngste Gericht.

(Oberes Teilstück: Der Erlöser). Florenz. St. Maria Novella.]