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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

künstler Jacopo Torriti in Rom zu nennen.

Das Marienbild Cimabues in St. Maria Novella zu Florenz (Fig. 335) mit seinen reizenden Engelsköpfen, noch mehr aber die Wandgemälde in S. Francesco zu Assisi zeugen dafür, wie dieser Meister bereits die Natur zu beobachten sich anschickt und welch' feines Gefühl für das Anmutige er besitzt. Bedeutender erscheint noch Duccio, dessen Dombild zu Siena durch die Lebendigkeit des Ausdruckes in Geberden und Zügen und durch die feine Schönheit der Frauenköpfe sich auszeichnet. (Fig. 336.)

Diese Vorzüge, welche die Werke der beiden hoch über jene ihrer Vorgänger stellen, lassen es begreiflich erscheinen, daß man sowohl Cimabue wie Duccio als Begründer der neuen Kunstrichtung hingestellt hat. In der That sind aber auch sie in wesentlichen Dingen, in der ganzen Auffassung und Anordnung wie in der Zeichnung noch von der alten Weise abhängig, und man kann sie nur als Vorläufer oder Vermittler des Ueberganges betrachten.

Giotto. Den für die gesamte Kunst so wichtigen Bruch mit der bisherigen Ueberlieferung und die Eröffnung einer völlig neuen Bahn vollzog erst Giotto di Bondone (1276-1337), ein Schüler Cimabues. In drei Dingen zeigt sich die Größe dieser künstlerischen Persönlichkeit: in der hohen Auffassung der ihm gestellten Aufgaben, in der Deutlichkeit des Ausdruckes dieser Auffassung und in der Naturwahrheit des Dargestellten wie der Darstellungsweise. Wie wir aus zahlreich erhaltenen Verträgen wissen, wurde damals den Künstlern sehr genau und eingehend vorgeschrieben, was sie darzustellen hatten; es kam nun auf den Meister an, wie er diese inhaltlich gegebene Aufgabe erfaßte und mit seinem "Geiste" durchdrang.

Giotto geht nun auf das innerste Wesen der Sache ein und erfaßt den religiös-sittlichen Grundgedanken in voller Klarheit und mit wahrhafter Empfindung. Er steht dabei

^[Abb.: Fig. 340. Orcagna: Das jüngste Gericht.

(Teilstück: Die Auserwählten.) Florenz. St. Maria Novella.]